29. Juni 1996 | Süddeutsche Zeitung | Literatur, Rezension | Der Regenmacher

John Grisham läßt es regnen

Leichte Beute

JOHN GRISHAM: Der Regenmacher. Roman. A. d. Amerikanischen von Christel Wiemken. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 1996. 576 Seiten, 48 Mark.

Eigentlich ist John Grisham, um es mal drastisch zu formulieren, kein besonders guter Autor. Er gibt auch in seinem Genre eine Menge Leute, die besser schreiben und beobachten können, und kaum einer, der etwas auf sich hält, verfährt beim Plotten so schematisch wie er. Wie kommt es dann, daß man jedes seiner Bücher im Nu verschlingt und auch keines missen möchte?

Zumindest im Regenmacher wird deutlich, warum die Leser für diesen Autor so eine leichte Beute sind. Ein Jurastudent gerät da an einen großen Fall, in dem eine Versicherung sich weigert, die Behandlung für einen an Leukämie erkrankten Jungen zu bezahlen. Der Fall ist klar, aber der Gegner ist mächtig. Mitzuerleben, wie David Goliath einen um den anderen Schlag verpaßt, ist natürlich unwiderstehlich. Und ganz nebenbei zeichnet Grisham ein Bild von der Politik der Versicherungen, Fälle auf ewig von einer Abteilung, die sich für unzuständig erklärt, zur nächsten weiterzureichen, das wie Kafka light wirkt. Was diesmal die Versicherungen sind, das wird im nächsten Grisham die Tabakindustrie sein: Leichte Beute.

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