23. September 1994 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Wolf

WOLF von Mike Nichols

Das Beste im Mann

Mike Nichols’ erster Film in Holfywood hieß WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? Ob Woolf oder Wolf, Nichols Helden kommen immer erst mal im Schafspelz daher, um dann nach und nach ihre wahre Natur zu offenbaren. Das war schon bei Dustin Hoffman in DIE REIFEPRÜFUNG oder Melanie Griffith in DIE WAFFEN DER FRAUEN so und ist bei Jack Nicholson in WOLFnicht anders. Stets steckt etwas in diesen Menschen, was sie von innen heraus verändert: Hysterie (VIRGINIA WOOLF), Hormone (REIFEPRÜFUNG), Strahlung (SILKWOOD), Sodbrennen (SODBRENNEN), Tollwut (WOLF). Inmitten des körperbewußten amerikanischen Kinos verwandelt Nichols die Körper in Unruhe- und Ansteckungsherde. Aber nicht nur deshalb gehen seine Filme unter die Haut. Denn natürlich finden die Helden in all den Verletzungen und Krisen am Ende zu sich selbst. So als müßte erst eine Schale geknackt werden, damit ihre wahren Gefühle freigelegt werden können.

Mike Nichols setzt in WOLF keineswegs nur auf Heulen und Zähnefletschen. Vielleicht hat Jack Nicholson noch nie so zurückhaltend gespielt wie hier, wo er sich als New Yorker Lektor nach einem Wolfsbiß langsam in einen Werwolf verwandelt. Ein Neigen des Kopfes, ein Schnuppern oder eine hochgezogene Augenbraue genügen ihm, um den Wolf lebendig werden zu lassen. Wie er einen ganzen Film lang die Bestie in sich bekämpft, das ist schon eine Schau. Da kann nicht einmal Michelle Pfeiffer mithalten, obwohl sie als Catwoman bereits einschlägige Erfahrungen gemacht hat.

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