27. Juli 1985 | Süddeutsche Zeitung | Filmkritiken, Rezension | Die Wasserherren

Noch ist die Wanne voll

DIE WASSERHERREN: Ein Dokumentarfilm von Klaus Stanjek

„Wir haben“, sagt Benno Weimann, „den Puls des Verbrauchers in der Hand.“ Weimann ist Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG und somit Herr über die tägliche Wasserverteilung an zweieinhalb Millionen Menschen. Wenn irgendwann einmal morgens kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt, spätestens dann sind wir in der Hand dieser „Wasserherren“. Klaus Stanjek läßt in seinem Dokumentarfilm, der sich im Untertitel als „Film über die Vorboten kommenden Mangels“ bezeichnet, keinen Zweifel, daß wir im Notfall auf DIE WASSERHERREN nicht unbedingt zählen dürfen. Anlaß zur Sorge gibt es schon heute ausreichend: In Nordrhein-Westfalen kämpfen mehrere Gemeinden seit Jahren vergeblich gegen das Macht- und Monopolgebaren des Gelsenwasser-Konzerns.

Es geht den Wasserherren um Expansion um jeden Preis, auch um den der Grundwasserabsenkung. Grund genug für Stanjek, von vornherein Partei zu ergreifen: Weimann wird rechts unten im Bild gezeigt, während die restlichen zwei Drittel von einem repräsentativen Miro-Druck ausgefüllt sind.

Dem Handelsobjekt Wasser stellt der Film den Mythos Wasser gegenüber. Stanjek montiert Bilder der Idylle und der Kläranlagen, der Wasser-Manager und der aufgebrachten Brunnenbesitzer. Trotz vorgefaßter Meinung vergißt er nicht zu argumentieren, verwendet den Originalton allein zur Verdeutlichung des Off-Kommentars. Mit der gleichen Sorgfalt, mit der die Einstellungen kadriert sind, wurde auch der Ton montiert. Die technische Professionalität hat ihre Entsprechung in den wirklich sehenswerten Unterwasseraufnahmen.

Dreimal seit 1972 stand die Stadt München vor einem Wassernotstand. Vielleicht sollte man sich dazu nicht erst dann Gedanken machen, wenn eines Morgens die Badewanne leer bleibt.

(In München im Rio-Palast, Montag und Mittwoch um 10 Uhr.)

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