25. September 1987 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Das vierte Protokoll

DAS VIERTE PROTOKOLL von John McKenzie

Was ist das Gegenteil von Spannung? Fragt man die sieben Millionen Leser von Frederick Forsyths letztem Roman, so kommt die Antwort in der Regel wie aus der Pistole geschossen: Entspannung natürlich! Die Geschichte ist entsprechend perfide: Die Russen wollen in England eine Mini-Atombombe zünden, um mit ihrer gewaltigen Wirkung die britische Revolution auszulösen. Forsyth ist ein Prophet des kalten Krieges, schreibt seine Romane wie der Reporter des Satans. Das Drehbuch zu DAS VIERTE PROTOKOLL stammt auch von ihm. Er hat die Details gestrichen, die Zusammenhänge vereinfacht und die Seitenstränge des Plots gekappt – jetzt führt die Geschichte geradewegs in die Kolportage. Daß daraus dennoch ein sauberer Polit-Thriller wurde, liegt am Regisseur John Mackenzie. Der hat schon in RIFIFI AM KARFREITAG gezeigt, wie man vom Aufbau der Macht und ihrer Ausübung erzählt. Sein Film schnurrt ab wie ein aufgezogenes Uhrwerk, rückt mit der Unbarmherzigkeit eines Zeitzünders voran.

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