10. März 1989 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Verraten

VERRATEN von Constantin Costa-Gavras

Eine Liebesgeschichte, die keine ist. Mit einem netten Mädchen vom Lande und einem hart arbeitenden Farmer, die beide nicht sind, was sie zu sein scheinen. In einem Melodram, das keines ist. Was immer Costa Gavras erzählt, er erzählt es verkehrt herum. Ein Negativfilm also. Eine FBI-Agentin spioniert einen des Mordes verdächtigen Farmer aus und verliebt sich in ihn. Bis sie herausbekommt, daß er nicht nur das ist, wofür ihn das FBI hält, sondern etwas noch viel Schlimmeres: ein Rassist, der bei nächtlichen Jagdausflügen mit seinen Kameraden Schwarze zu Tode hetzt. Sie muß fürs FBI den Schein aufrecht erhalten und die Sache bis zum bitteren Ende durchstehen, Liebe heucheln, wo nur noch Haß, Ekel und Verachtung existieren. Ein Film, der amerikanische Tugenden in Terror verkehrt, der neuen Faschismus anklagt – und der sich selbst verrät. Ausgerechnet Debra Winger und Tom Berenger, dieses durch und durch amerikanische Paar, spielen die Hauptrollen. Aber es gibt in diesem Film kein Mitgefühl für sie, keinen Raum zum Atmen. Der Film packt einen, aber er wühlt nicht auf. Was allein VERRATEN etwas aufhellt, sind die wunderbaren Bilder des Kameramanns Patrick Blossier, der auch schon Agnes Vardas VOGELFREI photographiert hat.

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