02. Juni 1989 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Sie leben

SIE LEBENvon John Carpenter

Die Außerirdischen sind schon da. Sie leben. Und sie sehen aus wie wir. Mit dem Kapitalismus haben sie uns verführt, mit dem Fernsehen eingeschläfert und mit dem Konsum bestochen. Jetzt können sie ungestört die Umwelt verschmutzen, um eine ihnen bekömmlichere Atmosphäre zu schaffen. Mit der Ära Reagan, erzählt Carpenter, haben sie den Durchbruch geschafft. Alles ist eine Frage der Perspektive. Aber man kann es in SIE LEBEN drehen und wenden, wie man will, es gibt keinen Blickwinkel mehr, aus dem man die Wahrheit noch entdecken könnte. So perfekt haben die Außerirdischen unsere Welt infiltriert. Ihre Totengesichter kann man lediglich durch eine Spezialbrille erkennen. Und nur durch sie werden die unterschwelligen Botschaften in den Zeitschriften und auf den Plakatwänden sichtbar SIE LEBEN ist so paranoid wie die kommunistischen Invasionsphantasien in den Science fiction Filmen der Fünfziger – nur sitzt der Feind diesmal woanders. Carpenter bevölkert seine Filme mit blinden Sehern und verrückten Predigern. Sie allein können die Zeichen deuten, aber keiner hört ihnen zu. Darüber ist Carpenter richtig bösartig geworden. Nichts läßt er uns zum Trost: keine Hoffnung, keine Romanze, keine Identifikation. Sein Held heißt Nada. Spanisch für Nichts.

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