26. November 1998 | Süddeutsche Zeitung | Filmkritiken, Rezension | Kai Rabe gegen die Vatikankiller

German Quatsch Cinema Club

Thomas Jahn will um jeden Preis lustig sein: KAI RABE GEGEN DIE VATIKANKILLER

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt in dem neuen Film von Thmas Jahn eine lustige Szene. Eine. Da schlägt der Filmstar (Sandra Speichert) dem Kommissar (Klaus J. Behrendt) vor, man solle sich doch duzen, streckt ihm die Hand hin und sagt „Maria”. Und er erwidert: „Krüger. ” Immerhin ein Lacher.
Die schlechte Nachricht folglich: Sonst gibt es nichts zu lachen. Thomas Jahn, der mit seinem Erstling KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR vorgeführt hatte, wie erfolgreiches deutsches Kino aussehen könnte, hat mit KAI RABE GEGEN DIE VATIKANKILLER total daneben gegriffen. Der Himmelstürmer klopft hier an die Pforten der Hölle, wo all jene Filme schmoren, die den Erfolg um jeden Preis suchen und lustig sein wollen – es aber nicht sind.

Es wird jetzt wieder heißen, die Deutschen könnten mit Erfolg nicht umgehen, würden Leute nur hochjubeln, um sie bei nächster Gelegenheit wieder abzuschießen. Wir seien ein Volk von Neidern, das sich von Mißgunst und Häme nährt. Das ändert aber nichts daran: Ein schlechter Film bleibt ein schlechter Film. Trotzdem sind natürlich unsere besten Wünsche mit ihm: Möge er die Millionen Zuschauer haben, die er verdient. Das deutsche Kino braucht Erfolge. Wenn es sein muß, um jeden Preis.

KAI RABE erzählt vom Filmemachen, wo es am häßlichsten ist: wo fette Produzenten mit billigen Effekten an schnelles Geld und leichte Mädchen kommen wollen und dafür ambitionierte Regisseure verheizen. Das sieht dann so aus: Ein Mönch nähert sich in einem Verließ mit deutlichen Mordabsichten einer schreienden Blondine im roten Kleid. Als sich der Mönch verhaspelt, schreit der Regisseur „Cut!”.

Mönch, Blondine, rotes Kleid – das ist natürlich inszeniertes Augenzwinkern, Horror mit beschränkter Haftung. Dieser Blick in eine Welt, wo Filme nur noch „Streifen” genannt werden, nennt sich dann Ironie. Das funktioniert aber nur, wenn der Rest des Films, also die wirkliche Welt jenseits der Dreharbeiten, irgendwie ernst gemeint ist. So wie Stefan Jürgens, der Mann aus RTL SAMSTAG NACHT den Regisseur spielt, ist jedoch schnell klar, daß hier auch die Wirklichkeit nur ein Witz ist – und zwar ein schlechter.

Film im Film ist nicht das schlechteste Mittel, um der Wirklichkeit im Kino auf die Spur zu kommen. Wenn sich in KAI RABE die Grenzen zwischen Spiel und Realität langsam verwischen, weil hier wie dort ein Serienmörder umgeht, dann ähnelt der Effekt jener unendlichen Leere, die entsteht, wenn man zwei Spiegel einander gegenüber stellt. Der ganze Film sieht so aus, als mache sich das Kino seinen Reim auf ein Fernsehen, das seinerseits versucht, das Kino nachzuäffen. Im Fernsehen nennt sich das SAMSTAG NACHT oder QUATSCH COMEDY CLUB und funktioniert in diesem Rahmen auch. Wenn sich aber das Kino daran anhängt, verkommt es zum Kalauer. So landet auch Thomas Jahn im German Quatsch Cinema Club wie all die anderen, die ans Kino nicht glauben, weil sie im Grunde nur von den Massen vorm Fernseher träumen. Das Kino aber träumt von anderen Dingen, wenn es zu Herzen gehen will.

KAI RABE GEGEN DIE VATIKANKILLER, BRD 1998 – Regie und Buch: Thomas Jahn. Kamera: Piotr Lenar. Musik: Tito Larriva. Darsteller: Steffen Wink, Klaus J. Behrendt, Sandra Speichert, Stefan Jürgens, Heinz Hoenig, Hannelore Elsner, Mirco Nontschew, Jan Josef Liefers. Verleih: Warner. 95 Minuten.

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