06. April 1985 | Süddeutsche Zeitung | Filmkritiken, Rezension | Hollywood Out-Takes

Amüsante Star-Parade

HOLLYWOOD OUT-TAKES ein Film aus den Archiven

Sogar der Blick hinter die eigenen Kulissen wurde von Hollywood kunstvoll in Szene gesetzt. Ein längerer Ausschnitt der HOLLYWOOD OUT-TAKES zeigt den Monumentalregisseur Cecil B. DeMille bei der Arbeit, wie er Statisten dirigiert, Beleuchter zurechtweist und Aufnahmeleiter herumscheucht. Doch was da so echt und ungestellt daherkommt, ist in Wirklichkeit – das merkt man spätestens bei der Auflösung in Schuß-Gegenschuß – auch inszeniert, ist fast schon der Anfang einer eigenen Geschichte. So begannen Karrieren: Der große Regisseur tröstet die weinende Darstellerin einer winzigen Nebenrolle. Die Selbstdarstellung beherrschte man in Hollywood immer schon meisterlich.

Preisverleihungen, Premierenfestivitäten, Werbe-, Wohltätigkeits-, Propaganda- und Erbauungsfilmchen auf der einen, verpatzte Szenen auf der anderen Seite: Über hundert Stars und Sternchen versammelt dieser Kompilationsfilm, für den Ron Blackman und Bruce Goldstein die Studioarchive durchstöbert haben.

Die Oscar-Verleihung von 1939 führt einem vor Augen, warum diese Zeit die „goldene Ära“ genannt wird; nominiert waren damals unter anderen Clark Gable, Laurence Olivier und James Stewart, Bette Davis, Vivien Leigh und Greta Garbo. Man kann aber auch sehen, daß diese Preisverleihungen fast schon ein eigenes Genre sind. Sie funktionieren nach festen Regeln und entwickeln ihre Qualität demnach aus der Variation, aus den leichten Abweichungen in der Selbstinszenierung. Aber dafür muß man zugegebenermaßen schon ein Faible haben, für die Namen und Gesichter, für die neuen Paarungen, die sich da auf der Bühne ergeben.

Der größere Teil der HOLLYWOOD OUT-TAKES besteht aus Szenen, die danebengingen. Pannen, Stolperer, Vergeßlichkeiten und Versprecher sowie die darauffolgenden Flüche, Lachanfälle und Wutausbrüche. Die Szenen enden deshalb häufig mit einem „Verdammt!“, weil die Schauspieler dadurch verhindern konnten, daß eine verpatzte Szene aus Kostengründen doch noch für den späteren Film verwendet wird.

Einen Einblick in den „wahren Charakter der Stars“ verspricht die Werbung, aber den vermitteln die Out-Takes genausowenig wie die „Enthüllungen“ der Klatschpresse. Einfluß auf die Wirkung der Kinobilder hat beides nicht. Denn was den Star fehlbar, also menschlich erscheinen läßt, trägt nur zu seinem Mythos bei. Darum kann der Vorwurf, dieser würde dabei zerstört, auch nicht verfangen. Und außerdem, hätte das Hollywood-Kino je solchen Erfolg gehabt, wenn seine Illusionen so schlecht funktioniert hätten?

(In München im Leopold 1)

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