14. August 1987 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Glitzernder Asphalt

GLITZERNDER ASPHALT von Jerry Schatzberg

Hoch oben über der Stadt, in der Redaktion des New York Journal, kündigt ein Journalist eine Reportage mit einem Zuhälter an. Weit unten am Times Square, in einem Stundenhotel, wird ein Mann ermordet, von einem Zuhälter. Bei seinen Recherchen dort unten wird Jonathan Fisher keinen Fuß auf den Boden kriegen. Aber er schreibt seine Geschichte trotzdem, und er schreibt sie gut. Weil er sie erfindet.

Sich ein Bild von der Welt machen, das kann Fisher. Und er bekommt dafür eine eigene Sendung. In STREETSMART – so heißt auch Schatzbergs Film im Original – berichtet er vom harten New Yorker Alltag. Gewandt und charmant macht er das, weil er die Kamera im Rücken hat. Seine Sendungen sind schnell exekutiert: kurze Blicke auf die Straße, Schnappschüsse einer Stadt. Fisher ist ein Amateurschütze. Dem schmerzhaft langen Blick des Profis hält er nicht lange stand. Der echte Zuhälter stolpert über das fingierte Porträt; über die Lüge kommt die Justiz der Wahrheit auf die Spur. Das Gericht will Fishers Notizen, der Mörder ein Alibi. Der Journalist kann keines von beiden liefern. Die Folgen sind fatal: ein ruinierter Ruf, eine verletzte Freundin und eine tote Informantin. Der Mann ist wirklich ein blutiger Anfänger.

Im Kräftemessen des Zuhälters mit dem Journalisten, der Realität mit ihren Abbildern gerät jede Geste zu einem Dementi der Fiktion und jedes Bild zu einem Plädoyer für die Fakten. Der Regisseur tritt beiseite, der Film spricht für sich. Schatzberg weiß alles für seine Zwecke zu nutzen. Er ist eben ein echter Profi.

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