15. Januar 1988 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Desert Hearts

DESERT HEARTS von Donna Deitch

Reno, Nevada 1959. Dies, sagen sie dort, sei der Hinterhof Gottes, ein Ort zum Zurücklehnen und Entspannen, das Paradies der Spieler und Scheidungswilligen. Hier fangen die Geschichten vom großen Geld an, und die von der großen Liebe hören hier auf. Aber genauso gilt natürlich jener tröstende Spruch, der im Kino immer gleich ein Versprechen ist: Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Als die New Yorker Professorin Vivian (Heien Shaver) nach drei erfolgreichen Würfen am Spieltisch wieder alles verliert, ist klar, daß sich ihr Blatt wenden wird. Sechs Wochen muß Vivian laut Gesetz für ihre angestrebte Scheidung hier in der Wüste Nevadas verbringen. Das ist eine Menge Zeit für sie, und eine Menge Platz. Raum genug für ihre schalen Schmerzen, tristen Träume und hochfliegenden Hoffnungen, aber auch für lange Autofahrten, klare Bilder und gute Musik von Patsy Cline und Elvis. Donna Deitch erzählt ihre Geschichte sanft, manchmal zu sanft, immer jedoch mit ruhiger Stimme und klarem Aufbau. Weil Vivian die Wüste im Herzen trägt, findet sie dort auch ein richtiges Wüstenherzchen. Und Cay (Patricia Charbonneau), zehn Jahre jünger, bildhübsch und lesbisch, verführt die sachte widerstrebende Frau Professor. Das ist so ergreifend und erotisch wie jede Geschichte einer ersten Liebe. Das heißt in erster Linie, daß DESERT HEARTS nicht nur ein Frauenfilm ist. Aber die Männer sehen darin dennoch nicht allzugut aus. Sie sollten sich an Cays Aufmunterung halten: „Trinkt, Jungs, die Nacht ist noch jung.“

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