21. April 1989 | Süddeutsche Zeitung | Filmkritiken, Rezension | D.O.A.

D.O.A. – Bei Ankunft Mord von Rocky Morton und Annabel Jankel

Nichts geht mehr: Als es nach dem Krieg in Amerika mit der Unschuld vorbei war, begannen die Toten ihre Geschichten zu erzählen. So war den Filmen ihr Ende von Anfang an eingeschrieben. Die Rückblenden änderten die Blickrichtung aufs Geschehen: Out of the past. Alle Konstruktionen wurden über einem schwarzen Loch errichtet: D.O.A – DEAD ON ARRIVAL. Das war das Extrem, eine Geschichte von Russel Rouse. Ein Mann kommt auf ein Polizeirevier und meldet einen Mord. Das Opfer: er selbst. Man hat ihn vergiftet, jetzt hat er nur noch Stunden zu leben. Er erzählt: von der Suche nach seinem Mörder. Und vom verschütteten Sinn seines Lebens, den er dabei gefunden hat. Schwarz und weiß, etwas anderes existiert in dieser Welt nicht. In der neuen Version von Morton und Jankel wird daraus grelles Bunt, explodierende Sinneseindrücke. Der Effekt ist der gleiche, der Boden der Erzählung wird brüchig. Mit Überblendungen und Zeitlupe wird den letzten Sicherheiten der Garaus gemacht. Die Bilder stehen auf dem Kopf. Dadurch kommt der Film ins Lot. Morton und Jankel waren die ersten, die mit der Simulation ernst gemacht haben. Der vollelektronische Moderator Max Headroon ist ihre Erfindung D.O.A ist ein simulierter Film Noir. Deshalb wirkt er heute ganz und gar authentisch.

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