14. August 1995 | Focus Magazin | Filmkritiken, Rezension | Bunte Hunde

Kalte Melancholie

Lars Beckers Krimi BUNTE HUNDE

Es gibt drei Arten von Menschen: Wölfe, Schafe und Hyänen. So hieß es in einem Film des Franzosen Jean-Pierre Melville. In dieser Welt herrscht das Gesetz des Dschungels. Es geht ums Fressen und Gefressenwerden und darum, daß auf Dauer keiner aus seiner Haut kann. Man stirbt als Wolf, Schaf oder Hyäne. Dazwischen gibt es nichts, am allerwenigsten Mitleid.

Lars Becker macht Filme, die genau davon erzählen wollen: Geschichten, die es sich mit Gut und Böse nicht leichtmachen und am Ende keinen ungeschoren davonkommen lassen. Dabei interessiert er sich weniger für die Thrills des amerikanischen Kinos als für die Melancholie französischer Kriminalfilme, die ihre wahre Schönheit erst im Scheitern finden. Trotzdem will es ihm nicht so recht gelingen, für das Scheitern seiner Helden Interesse zu wecken. Seine Autoknackerbande, die ihre Beute in den Osten schafft, hat zwar alles, was solche Typen brauchen, aber im entscheidenden Moment fehlt es ihnen an Farbe. Und das liegt nicht an Til Schweiger oder Peter Lohmeyer, die immerhin so cool sind, wie man das von Schauspielern in solchen Rollen erwarten darf.

Nach SCHATTENBOXER gab es die Hoffnung, daß Becker den deutschen Krimi beleben könnte, aber in BUNTE HUNDE scheint er damit überfordert. Er ist gut, wenn es nicht darauf ankommt. Und wenn es um etwas geht, wirkt er blaß. Nur für die Melancholie findet er schöne Bilder – wie die meisten deutschen Regisseure.

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