12. Februar 1998 | Süddeutsche Zeitung | Filmkritiken, Rezension | Besser geht’s nicht

Der Stadtneurotiker

Film mit Hundeblick: BESSER GEHT'S NICHT von James L. Brooks

Filmen, die auf die treuen, braunen Augen von Hunden bauen, sollte man grundsätzlich mißtrauen. Und weil James L. Brooks es nicht lassen kann, seinem Film immer wieder den Hundeblick zu verpassen, hätte man einen guten Grund, BESSER GEHT’S NICHT nicht zu mögen – es ist allerdings so ziemlich der einzige.

Jack Nicholson spielt einen Zwangsneurotiker, der mit Liebesromanen sein Geld verdient und von wirklich allen Nachbarn seines New Yorker Appartments gehaßt wird. Man versteht auch gleich warum, nachdem er schon in der ersten Szene den kleinen Köter seines Nachbarn, einem schwulen Maler, in den Müllschlucker wirft.

Das amerikanische Kino und besonders die Komödie lebt zu einem guten Teil von Zwangsneurosen. Auch wenn es die Helden nicht immer so schlimm trifft wie hier: Der Held kann kein Pflaster betreten, ohne hysterisch den Rillen auszuweichen; kann kein Restaurant betreten, ohne sein mitgebrachtes Besteck zu benutzen; kann nicht arbeiten, ohne seine Rituale zu befolgen. Von einer wirklich armen Sau trennt ihn nur die Tatsache, daß er von Jack Nicholson gespielt wird.

Die Filme von James L. Brooks, der mit Zeit der Zärtlichkeit und Nachrichtenfieber Erfolg hatte, sind schon immer erstaunlich neurotisch gewesen. Vom Mainstream unterschieden sie sich durch eine Sprunghaftigkeit, die sich leicht zur Hysterie steigern konnte. Kein Wunder, daß er einst Frauen wie Shirley MacLaine und Holly Hunter besetzt – und umso wundervoller, daß er nun auf Helen Hunt gesetzt hat, die man aus TWISTER und vor allem der Fernsehserie VERRÜCKT NACH DIR kennt. Wo Nicholsons Performance hauptsächlich durch sein Image zusammengehalten wird, da ist Helen Hunt das Herz des Films. Beide haben nicht ohne Grund einen Golden Globe gewonnen und wurden auch für einen Oscar nominiert.

Sie ist die einzige Bedienung in dem Restaurant, wo Nicholson mittags ißt, die sich noch nicht weigert, ihn zu bedienen – alle anderen hat er längst vergrätzt. Als sie eines Tages nicht mehr da ist, gerät seine Welt aus den Fugen. Nicht weil ihm an ihr läge, sondern weil die Dinge ihre mühsam errichtete Ordnung behalten müssen. So findet der man you love to hate, der Mann, den man gerne haßt, in der Kellnerin seinen Meister.

Zu sehen, wie aus dem Ekel ein Mensch wird – das ist natürlich eine jener schönen Lügen, mit denen Hollywood uns über den Tisch zieht. Aber es ist einfach wahnsinnig charmant gemacht und läßt vergessen, daß der Film kleine Köter, schwule Nachbarn und sterbenskranke Kinder nötig hat, um seine Punkte zu machen. Und am Ende hat man den Eindruck, daß das ganze Genre-Kino mit seinen starren Regeln im Grunde immer schon eine einzige Zwangsneurose gewesen ist.

AS GOOD AS IT GETS, USA 1997 – Regie: James L. Brooks. Buch: Brooks und Mark Andrus. Kamera: John Bailey. Musik: Hans Zimmer. Darsteller: Jack Nicholson, Helen Hunt, Greg Kinnear, Cuba Gooding Jr. , Skeet Ulrich. Verleih: Columbia Tristar. 138 Minuten

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