27. August 1994 | Süddeutsche Zeitung | Filmkritiken, Rezension | Batman und das Phantom

Dark Déco

Batman kehrt auf Zeichentrick wieder

Das Licht schneidet wie ein Messer durch die Dunkelheit, die alles in ihrer schwarzen Tinte ertränkt. In dieser Welt ist das Böse vor allem eine Frage des Stils, denn schließlich geht im Zeichentrickfilm die Bedrohung allein davon aus, wie sich Linien und Flächen zueinander verhalten. Das Grauen ist also eine geometrische Funktion, und für die Art und Weise, wie das in Batman und das Phantom aussieht, wurde auch gleich ein passender Ausdruck geprägt: Dark Déco.

Dark Déco, das gibt schon vom Klang her Stimmung und Stil der Bilder wieder, die aus Art Déco eine finstere Kunst machen. Selbst die Figur Batmans wurde einem Styling unterworfen und sieht nun besser aus als je zuvor: Das Gesicht ist noch kantiger, die Ohren noch spitzer, die Augen noch katzenhafter, und selbst die Spannweite seiner Flügel scheint vergrößert. Der dunkle Ritter sieht nun vollends aus wie ein bemanntes Flugobjekt, dem Konstrukteure den letzten Schliff verliehen haben.

Selten ist es dem Kino gelungen, die Düsternis in so elegante Bilder zu kleiden. Schon in den beiden Batmans von Tim Burton entstand die Anziehungskraft aus jener bizarren Atmosphäre, die selbst im Herzen der Finsternis noch ein düsteres Funkeln fand. In dieser Zeichentrickversion, die in Amerika im Kino nicht so gut wie erhofft ankam, hat man diese Aspekte noch betont. Kein Wunder, denn was im Realfilm Millionen Dollar für Kulissen kostet, das ist im Zeichetrickfilm mit ein paar Federstrichen erledigt. Die Stadt Gotham City, dieser an New York angelehnte Schreckensort, ist nun ein im Stein gehauener Traum seelenloser Architekten, eine Mischung aus Neogotik, Revolutionsarchitektur und eben Art Déco. Jeder Pfeiler und jedes Portal sind ins Gigantische gewachsen, und alle Gebäude wirken wie Opferaltare eines finsteren Kultes. Im Grunde sind die Wolkenkratzertürme ein Echo der Formen des Fledermannes selbst – als würden die scharfen, spitzen Konturen dieser entseelten Hülle ins Unendliche gespiegelt. Batman ist also der Mann, den diese Welt verdient hat – er ist ihr aus dem Gesicht geschnitten.

Wo die Form alles ist, zählt der Inhalt nichts. Die Geschichte handelt deshalb nicht zufällig vom drohenden Image- und Identitätsverlust des Superhelden, in dessen Namen ein Phantom Verbrechen begeht. Unter dem Schutzmantel des Markenzeichens läßt sich leicht Versteck spielen. Die Geschichte scheint dem Alptraum von Marketing- und Merchandising-Managern entsprungen: Daß nicht überall, wo Batman draufsteht, auch Batman drin ist.
Dieses Problem kennt der Joker nicht, denn sein Reich ist der Stilbruch. Schon in Form und Farbe ist er der einzige, der sich dem Konzept des Dark Déco widersetzt. Das macht ihn zu einem echten Helden der Neuzeit.

(Bei Warner Home Video)

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