28. Juni 1997 | Süddeutsche Zeitung | Das Wispern im Berg der Dinge, Events | Dominik Graf & Althen

Lieber drei Filme im 
Jahr als umgekehrt

Dominik Graf auf dem Filmfest

Autor: Susan Vahabzadeh, Fritz Göttler

Der Münchner Regisseur Dominik Graf ist gleich mit zwei Fernseharbeiten beim Filmfest vertreten, das heute beginnt: In dem Thriller DER SKORPION (30. 6, 22. 30 Uhr und 2.7.,17.45 Uhr im Maxx 5) spielt Heiner Lauterbach einen Drogenfahnder, dem ein Mörder ins Handwerk pfuscht. In DR. KNOCK (4.7., 20. 15 Uhr und 5.7., 15. 15 Uhr im Maxx 5) haben Gert Voss und Veronika Ferres recht unterschiedliche Ansichten über die medizinische Versorgung eines bayerischen Dorfes. Eigentlich hätte Graf noch einen dritten Film (gemeinsam mit Michael Althen gedreht) parat: DAS WISPERN IM BERG DER DINGE, der vierte Teil der Filmfest-Reihe Denk ich an Deutschland, wird leider nicht gezeigt – mit dem war Graf schon bei der Berlinale.

SZ: Ist Dr. Knock nicht eher untypisch für einen Film von Dominik Graf?
Graf: Das war schon etwas was, ich noch nie gemacht habe – ein bayerisches Heimat-Singspiel…
Bemühen Sie sich, nicht als Thriller-Spezialist abgestempelt zu werden?
Ich finde Thriller ja wunderbar. Damit kann ich mich abfinden. Ich habe meistens Polizeifilme gemacht – ordentliche Beamte, die andererseits nachts wie Freibeuter durch die Straßen ziehen, das fand ich schon immer sehr spannend. Ich war dabei inspiriert vom amerikanischen und französischen Kino, und immer in festem Glauben, daß man das hier etablieren kann. Thriller können eine Menge über Personen erzählen – und über die Zeit, in der sie gemacht wurden.
Woran liegt es, daß dieses Genre im deutschen Fernsehen funktioniert, im Kino aber kaum vorkommt?
Das weiß ich auch nicht. Die Thriller, die es in den letzten Jahren im Kino geschafft haben, waren immer mit einem Star verbunden – meistens Götz George. Die Form des billigen Genre-Films ist in Deutschland nicht mehr vertreten – die macht man dann besser fürs Fernsehen.
Das ist eine Sicht, die auch bei Leuten, die regelmäßig fürs Fernsehen arbeiten, selten zu finden ist.
Ich habe da nie einen großen Unterschied gemacht. Dieser Mythos vom Kino war für mich nie besonders groß. Bei sehr aufwendigen Filmen ist das was anderes. Aber ich hatte immer das Gefühl, daß die kleineren, billigeren Filme, die man schneller macht, meinem Arbeitsrhythmus besser entsprechen. Mir fällt es schwer, alle drei Jahre einen Film zu machen; ich mache lieber drei im Jahr. Kinofilme haben es oft schwer, die Erwartungshaltung zu erfüllen. Bei einem Fernsehfilm kann man in Ruhe arbeiten.
Müssen Sie denn da Konzessionen machen?
Es war immer eine Bedingung, daß ich keine Konzessionen im Sinne einer mediokren Ästhetik machen mußte. Der SKORPION war von der Idee, der Härte, der Schnelligkeit für die Leinwand gedacht.
Was für eine Funktion hat denn da ein Filmfest?
Die Fernsehfilme werden wenigstens das eine Mal auf der Leinwand gezeigt – das macht doch Freude, zu schauen, wie die Leinwand reagiert.

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