20. Juli 1996 | Süddeutsche Zeitung | Literatur, Rezension | Masters of Deception

Computer-Desperados

Die neue Grenze

MICHELLE SLATALLA, JOSHUA QUITTNER: Masters of Deception. Aus dem Englischen von Andrea Kann und Gaby Burkhardt. Ammann Verlag, Zürich 1995. 322 Seiten, 39,80 Mark.

Tutututut: Am 15. Januar 1990 ereignete sich eine echte Kommunikationskatastrophe: Da stürzte das Telephonnetz der amerikanischen Telephongesellschaft AT&T ab und verhinderte schätzungsweise 75 Millionen Verbindungen. Landauf, landab ertönte nur noch das Besetztzeichen. Kleine Ursache, große Wirkung: Ein Teenager aus Brooklyn hatte sich wieder mal in den Computer der New Yorker Filiale eingewählt, um mit den Verteilertabellen herumzuspielen. Er hat mal diesen Befehl ausprobiert, mal jenen, und dabei einen kleinen Fehler erzeugt, der sich in einer Kettenreaktion sofort multiplizierte – Dummheit des Computer also.

Die New Yorker Journalisten Slatalla und Quittner haben diese Story noch einmal aufgerollt und eine Art Geschichte der (meist minderjährigen) Hacker geschrieben . Man hat versucht, diese Kids zu kriminalisieren, dabei sind ihre nächtlichen Ausflüge auf den Datenautobahnen eher Spritztouren als echte Fälle von Computerkriminalität. Das Porträt einer Generation im elektronischen Schatten entsteht da, eine Fußnote zur Geschichte der frontiersmen, die ihre Grenzen im Cyberspace suchen. Über weite Strecken liest sich das fast wie ein Roman, so nahe sind die Autoren an den blassen pubertierenden Desperados dran, die die Computernetze unsicher machen. Eigenartig ist, wie schnell sich diese Welt überholt hat, in der die Kids auf „Schwarzen Brettern“ in fremden Firmencomputern herumkurvten : fünf Jahre, das ist heute eine halbe Ewigkeit.

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