09. September 1988 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Das siebte Zeichen

DAS SIEBTE ZEICHEN von Carl Schultz

Komm und siehe, ein Bibelfilm. Früher noch brachten die monumentalen Ausstattungen die Leute ins Kino, heute sind „die apokalyptischen Visionen die production values. Tote Fische werden in Haiti an Land gespült, nicaraguanische Flüsse sind rot vom Blut der Hingemetzelten, und mitten in der israelischen Wüste überzieht sich ein Dorf palästinensischer Terroristen mit Eis. Jedes dieser Ereignisse, heißt es, sei eines der sieben Zeichen, mit denen sich das Ende der Welt ankündigt. Regisseur Schultz nimmt die Bibel beim Wort — die beste Voraussetzung für einen Genrefilm. In DAS SIEBTE ZEICHEN, ist Gottes Wort Gesetz und damit für den Film so wesentlich wie in anderen Genres die Tatsache, daß Vampire keinen Knoblauch vertragen. Der testamentarische Glaube wird bis zum bitteren Ende ganz ohne Ironie nachgebetet. So entsteht ein perfekter Horrorfilm, der mit der archaischen Gewalt alttestamentarischer Sprüche die Nerven martert. Und daß in der Bibel alles irgendwie mit allem zusammenhängt, zieht dem Zuschauer vollends den Boden unter den Füßen weg. Als einziger Rettungsanker vor dem Absturz ins Grauen taugt die Tatsache, daß die Heldin (Demi Moore) hochschwanger ist. Da kann es schon mal vorkommen, daß man Jürgen Prochnow für den Gesandten Gottes hält. Der Schluß soll hier nicht verraten werden — nur soviel: Es ward Licht.

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