21. Oktober 1988 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Presidio

PRESIDIO von Peter Hyams

Presidio war eine alte spanische Festung am Eingang zur San Francisco Bay, heute ist es ein Militärstützpunkt im Schatten der Golden Gate Bridge. Genau an der Stelle, an der James Stewart einst Kim Novak aus dem Wasser rettete. Das war vor dreißig Jahren in Hitchcocks VERTIGO. Vom lilienfarbenen Strahlen und submarinen Zwielicht des Klassikers besitzt Peter Hyams PRESIDIO rein gar nichts. Hyams sucht eher das grelle Licht, durch das er seinen Plot ungehindert schleusen kann: Ein Mord in Presidio, eine Verfolgungsjagd, ein Cop (Mark Harmon), der mal Soldat war, und sein ehemaliger Vorgesetzter beim Militär (Scan Connery). Weil sich die Zuständigkeiten nicht klären lassen, müssen die beiden wider Willen den Mord gemeinsam untersuchen. Als sich der Cop auch noch in die hübsche Tochter des Colonels (Meg Ryan) verliebt, kommt Psychologie in die Geschichte. Was die Figuren sympathisch macht, stammt dabei aus dem Drehbuch. Hyams hat dem nichts hinzuzufügen. Er betreibt eher die attraktive Inszenierung und großzügige Anlage der Schauplätze. So unterscheiden sich die breiten Bilder, für die der Regisseur selbst auch hinter der Kamera stand, von denen der meisten neueren Kriminalfilme, wo sich der schwindelerregende Blick von den Dächern der Wolkenkratzer über das Gesicht der Helden legt. Vertigo: Die Höhenangst hat aus dem Thriller ein vertikales Genre gemacht. Hyams aber beharrt — auch mit seinen fabelhaften Verfolgungsjagden — auf der Waagrechten, konventionell und souverän. PRESIDIO gehört zu der Sorte Krimi, die von allem, was Kino spannend und unterhaltsam macht, ausreichend enthält. Mehr nicht.

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