09. Juni 1989 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Milch und Schokolade

MILCH UND SCHOKOLADE von Coline Serreau

Ein Schwarzweißfilm in Farben. Vom weißen Fabrikdirektor und der schwarzen Putzfrau wird erzählt, und von ihrer märchenhaften Beziehung, die erst von Indifferenz und dann von Überschwang geprägt ist. Das schafft eine Dynamik, die man in dieser Geschichte viel eher an anderer Stelle erwartet hätte. Während man sich noch wundert, wie unentschlossen Coline Serreau mit dem ungleichen Paar umgeht, hat sie ihre Strategie schon wieder geändert. Erst steht die Putzfrau (Firmine Richard) dem Fabrikdirektor (Daniel Auteuil) bei einer in der Firma gegen ihn angezettelten Intrige zur Seite, und dann ist er einfach im Ausland, als sie ihn brauchen könnte. So verläßt der Film immer wieder die Genrespielregeln, denen er lange Zeit zu folgen scheint. Das Offensichtliche seiner Konstruktion, in der Reich und Arm, Loyalität und Verrat immer gegeneinander aufgerechnet werden, dieses oft allzu ausgeklügelte Gleichmaß wird auf einmal zum Hintergrund für eine ganz andere Geschichte. Dann überlagern sich die beiden Rhythmen wie beim Jazz. Und der smarte Weiße verfolgt die dicke Schwarze beharrlich mit seiner Liebe, obwohl sie nichts mehr von ihm wissen will. Gerade seine sträfliche Indifferenz, die den Film vorher ausgehöhlt hat, läßt dann den Traum wie einen Blitz aus heiterem Himmel einschlagen.

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