30. Juni 1989 | Die Zeit | Filmkritiken, Rezension | Kalter Sommer ’53

KALTER SOMMER ’53 von Alexander Proschkin

Schwerer Himmel, nasse Erde, kaltes Wasser. Das kleine Dorf in der Taiga liegt versteckt unter dem Faltenwurf der Historie. Die politischen Entwicklungen aus dem fernen Moskau spülen darüber hinweg. Manches bleibt hängen, anderes kommt erst verspätet an. Sommer 1953. Stalin ist tot, der allmächtige Geheimdienstchef Berija entmachtet. Nach der Generalamnestie ziehen Banden von Kriminellen durchs Land, verbreiten Angst und Schrecken. Auch in dem kleinen Dorf wird geraubt und gemordet. Bis zwei politische Häftlinge, die dort in der Verbannung leben, sich zur Wehr setzen. Ein Western aus der Taiga, ein sibirischer Eastern sozusagen, in dem sich alle Versatzstucke des Genres wiederfinden, durch Schwermut gefiltert. Die Politischen, für die die Amnestie von 1953 nicht galt, sind müde Helden, die ihre eigene verzweifelte Lethargie erst im Kampf für die anderen überwinden können. Geschickt verknüpft Alexander Proschkin privates Leid und politische Geschichte KALTER SOMMER ’53 ist politische Fiktion, nach rückwärts gerichtet. Mit Geschichten werden jetzt langsam die Lücken der Geschichte ausgefüllt. So wird das Fiktive zur Errettung des Realen.

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