30. Oktober 1995 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Where The Wild Roses Grow

Kultur Spezial: Where The Wild Roses Grow das neue Video von Nick Cave & Kylie Minogue

Eine Kamerafahrt durchs Wasser, an bleichen Frauenbeinen entlang, über ein weißes Kleid hinweg hinauf zum Gesicht, in dem die Lippen rot sind wie Blut und die leeren Augen den Himmel spiegeln. Kylie Minogue spielt die Wasserleiche und ist dabei schöner denn je. Der Song erzählt die Geschichte einer tödlichen Liebe, und der Clip von Rocky Schenk findet die Bilder dazu. An einem Fluß, auf dem das Licht wie Diamanten funkelt und über dem die Weiden Trauer tragen, wäscht sich Nick Cave das Blut von den Händen. Immer wieder versinken die Bilder im Dunkel, so als könnte die Kamera die schmerzliche Schönheit des Anblicks immer nur für ein paar Augenblicke ertragen. Eine Wasserschlange gleitet über den Körper der Toten, ein Kaninchen schnuppert am Tatort, und die Rosen blühen so rot, wie sie es sonst nur im Traum tun. Am Ende drückt der Mörder seinem Opfer eine Rose zwischen die Lippen, und man sieht eine Träne aufblitzen. Vielleicht ist es auch nur ein Wassertropfen. So endet der beste Clip der Saison, der genauso gut ist, wie manche Spielfilme immer schon sein wollten.

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