13. Februar 1995 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | The Man Who Sold The World

Kultur spezial: The Man Who Sold The World das neue Video von Nirvana

Zeit für einen kleinen Gedenkgottesdienst! Holt eure schmuseweiche Streicheljacke raus, zieht eure Kurt-Schuhe und das Kurt-Shirt an, und die Mädels hören eine Woche lang auf, sich zu rasieren. Läßt sich das einrichten? Dann kann’s ja losgehen. Da sitzt also Kurt mit seinen Jungs, und ein bißchen ist es wie mit den Beatles, wo auf den Plattencovern auch immer schon düstere Zeichen versteckt waren, die darauf hinwiesen, daß irgendwer längst tot ist. Bei Nirvana hat ja schon der Name darauf hingedeutet, daß ihr Aufenthalt auf Erden nur ein Zwischenstop auf dem Weg zu Höherem war. Aber bei ihrem legendären ausgestöpselten Konzert, dem dieses Video entnommen ist, sah eigentlich die ganze Bühne aus wie eine Aussegnungshalle. Weiße Lilien und Kerzenständer, wohin man schaut. Die Kamera kann kaum einen Blick auf Kurt erhaschen, ohne daß sich eine dieser Blumen ins Bild drängt, um zu rufen: Warte, warte nur ein Weilchen… Und Kurt sieht ohnehin aus wie ein Engel, der der Welt ein paar Lieder schenken möchte, ehe er wieder den Heimweg antritt. Wie er da so sitzt, wirkt er wirklich wie der Traurigste von allen. Amen. Mädels, ihr könnt euch jetzt wieder rasieren.

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