20. Juli 1998 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Spark

Kultur: Spark das Video von Tori Amos

So kalt ist es einem schon lange nicht mehr den Rücken heruntergelaufen. Tori Amos erzählt eine so eisige Geschichte, daß Madonnas Frozen-Video dagegen herzerwärmend wirkt. Tori spielt ein Entführungsopfer, das trotz verbundener Augen und gefesselter Hände aus dem Kofferraum eines Wagens, der mitten im Wald steht, fliehen kann. Da rennt sie im Nachthemd durchs Unterholz und springt in einen Bach, um den Verfolger abzuschütteln. Als es ihr gelungen ist und sie es zu einer Straße schafft, hält auch ein Wagen an. Darin sitzen zwei sehr blonde Frauen, die entweder Zwillinge oder Lesben sind und nach kurzem Zögern einfach weiterfahren. Man kann sich vorstellen, daß als nächstes der Wagen ihres Verfolgers anhalten und sie wieder auflesen wird. Der Clip ist mit jener beängstigenden Perfektion der Serienmörderfilme gemacht, die den Opfern wenig Chancen läßt. Es gibt also keine Hoffnung, und das ist für einen Popsong eine ziemlich trostlose Botschaft. Aber sie sitzt.

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