12. September 1994 | Süddeutsche Zeitung | Fernsehen, Rezension | Das Paradis im Quadrat

14.00 ZDF ‚Ich bin zwar ein alter Mann‘, sagt Audrey Hepburn, ‚aber ein junger Gärtner.‘ Sagt sie, zitiert dabei aber nur den alten Thomas Jefferson, der sich nach der Unabhängigkeitserklärung vor allem seinem Garten und auch ein wenig seiner Präsidentschaft widmete. Seither haben sich noch einige andere Leute wohlmeinend über Gärten geäußert, und wenn sie damit erreicht haben, von Frau Hepburn dereinst im Munde geführt zu werden, dann hat sich das ja auch irgendwie gelohnt. Was tut man nicht alles für eine Frau wie sie?

Sechs Folgen lang führt Audrey Hepburn jeweils eine halbe Stunde lang durch die Gärten der Welt, zitiert dabei alte Männer und unterhält sich aber auch mit weniger alten Menschen. Und weil das sozusagen ihr Vermächtnis geworden ist, bekam die Reihe auch einen Emmy Award. Was die Besetzung angeht, ist das auch durchaus berechtigt. Schließlich hat die Moderatorin nicht nur als Blumenmädchen in My Fair Lady einschlägige Erfahrungen, sondern erfreute auch sonst durch ihr alles in allem ziemlich blumenhaftes Wesen.

Ihr letzter Filmauftritt in Steven Spielbergs Always hatte das noch mal auf den Punkt gebracht: Als Engel erschien sie da einem abgestürzten Piloten ganz in Weiß und war dabei stets von einem Meer aus Blumen umgeben, obwohl die Szene in einer Landschaft spielte, die von einem Waldbrand verwüstet war. So muß man sich im Grunde auch die Fernsehserie vorstellen: Wie ein Engel schwebt Audrey Hepburn durch Gärten und Parks, und ständig ist man versucht nachzusehen, ob nicht vielleicht an den Stellen, die ihre Füße berührt haben, sofort Blumen aus dem Gras sprießen. Vermutlich ist es auch so, aber man sieht es nicht, weil die Kamera viel zu sehr damit beschäftigt ist, respektvolle Distanz zu wahren und überhaupt das ganze Grün im Auge zu behalten.

So spaziert Mrs. Hepburn durch die Flora und Fauna dieser Welt, treibt sich in Claude Monets Garten in Giverny herum, erzählt von den alten Persern und Ägyptern und macht keinen Hehl daraus, daß sie englische Gärten, die der Natur weitgehend freien Lauf lassen, den französischen Parks vorzieht, in denen das Wachstum auf dem Reißbrett entworfen wurde. Da hat sie natürlich recht, denn Blumen sind auch nur Menschen.

Die Serie ist also leidlich informativ, zeigt, was zu zeigen ist, und sagt, was zu sagen ist. Und Audrey ist ohnehin ganz rosenmäßig bezaubernd. Aber irgendwie wünscht man sich doch etwas mehr Phantasie bei Kamera und Montage. Es wird ein wenig rumgeschwenkt und ein wenig neben dem Star hergeflogen, doch kaum je versucht die Regie, der Pracht mehr als das abzugewinnen, was jeder sehen kann, wenn er sich dort hinstellt. Dafür hätte man vielleicht Peter Greenaway engagieren müssen. Aber sonst gibt es keinen Grund zu meckern, denn das Grün wirkt so ungemein beruhigend. (Heute läuft um 14 Uhr die zweite Folge der Reihe: DAS PARADIS IM QUADRAT. Vier weitere Filme jeweils montags zur selben Zeit.)

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