13. März 1995 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | No Flagman Ahead

Kultur Spezial: No Flagman Ahead das neue Video von The Tab Two

Jazz ist immer und unbedingt schwarzweiß. Und das kommt logisch daher, daß Pop immer bunt ist. Wenn dieses Video also viel schwarz und wenig weiß ist, dann hat das seine Richtigkeit. Eine einsame Trompete spaziert da durch die Nacht und flötet vor sich hin, während die Schlachter in den frühen Morgenstunden ihr Tagwerk beginnen. Zwischen Fleischerhaken und Schweinehälften schlängelt sich die Melodie, suhlt sich in den Lichtern der Großstadt und spiegelt sich in den Pfützen. Die beiden Jungs zur Melodie heißen Hellmut Hattler und Joo Kraus, und ihre Musik heißt HipHop-Jazz, weil es wichtig ist, „ein passendes Logo” zu haben. „Ich trinke”, sagt Hattler, „auch nicht aus einer Pulle, auf der kein Etikett ist.” Recht hat er, könnte ja sonstwas drin sein im Flachmann. „No Flagman Ahead” ist also das Stück für die ganz späten Stunden der Nacht, wenn man längst vergessen hat, warum man überhaupt noch unterwegs ist. Und wenn man sich selbst schon fühlt wie eine Schweinehälfte.

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