12. August 1996 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Light My Fire

Kultur: Light My Fire das neue Video von Mike Flowers Pops

Ja, so ist es richtig, so muß es sein. Richtig fies auf Jim Morrisons Grab gepißt: „Light My Fire” vorgetragen im blauen Clubjacket, zitronengelben Hemd und roten Halstuch. Darunter weiße Hosen, darüber eine wirklich beschissene Frisur. Mike Flowers weiß eben, was sich gehört. Er betreibt Easy Listening als Aufstand des schlechten Geschmacks gegen die heiligen Kühe des Heavy Meanings. Was immer die Doors einst mit diesem Song entflammt haben mögen, hier geht es eher so darum, eine Kerze beim Candlelightdinner zu entzünden. Vor allem beweist er: Pop ist für alle da. Wo einst nur langhaarige Hippies ihren Spaß hatten, da darf jetzt wirklich jeder mitswingen: Mutti, Vati und der Wellensittich auch. Und wenn dann Mike Flowers in gekünstelter Ekstase sein Halstuch aus dem Hemd reißt, dann weiß man: Easy Listening ist die wahre Subversion.

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