16. November 1998 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Gimme The Power

Videotext: Molotov / Gimme The Power

Irgendwo in Mexiko. Wo die Männer hart, die Frauen wild und die Straßen staubig sind. Der schwarze Wagen, der die Hauptstraße entlangfährt, hat schon bessere Zeiten gesehen – der Mann hinterm Steuer auch. Er steuert mit einer Hand, und mit der anderen trinkt er aus einer Flasche Tequila. Die gezackte Narbe auf seiner Backe zeugt von einer harten Kindheit und einer womöglich noch härteren Zeit als junger Mann. Kurz: Die Sache sieht so cool aus, wie das in der Hitze Mexikos eben möglich ist. Es wird gesungen von „el power”, und die Kamera findet die einzelnen Worte aus dem Liedtext, wohin sie auch blickt: auf dem Schlüsselanhänger, auf dem Reifen, auf einem Straßenschild, in einer Zeitungsschlagzeile, auf einer Tätowierung. Es ist, als würde die Welt ihren Beitrag zu dem Song beisteuern. Am Ende bleibt der schwarze Wagen stehen, Männer kommen aus den Seitenstraßen, Frauen sehen aus der Ferne zu – und dann fliegt der Wagen in die Luft. Sonderbarerweise scheint darüber niemand besonders unglücklich zu sein. Fremde Länder – fremde Sitten.

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