29. Januar 1996 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Free As A Bird

Kultur Spezial: Free As A Bird das neue Video der Beatles

Der freundliche Mann auf dem Bild ist ein sogenannter Beatle. Die Beatles waren vier Jungs aus Liverpool, die alle dieselbe Frisur hatten und gemeinsam Musik machten. Irgendwann haben sie angefangen, Drogen zu nehmen, sich zu streiten und böse Frauen zu heiraten, bis sie sich schließlich getrennt haben. Dann wurde einer erschossen. Und das war’s dann. Weil es Computer gibt, haben sie jetzt nochmal einen Song aufgenommen, der genauso klingt wie die Musik, die sie früher gemacht haben. Nur ein bißchen schlechter vielleicht. Dafür ist das Video dazu ein bißchen besser. Die Kamera durchfliegt rastlos und völlig vogelfrei alle Stationen, die in der Karriere der Beatles wichtig waren: Vom Covern Club die Türe hinaus, in den Himmel hinein, zu den Strawberry Fields hinab, vorbei an den Läden der Penny Lane, bis hin zur Abbey Road, wo sie einst barfuß über einen Zebrastreifen gelaufen sind. Der Redakteur, der dauernd Oasis mit den Beatles verwechselt, war ganz platt. Wie haben sie das nur gemacht? Damit er nicht traurig ist, wollen wir ihm ausnahmsweise mal antworten: Immer, wenn die Kamera den Schauplatz wechselt, schwenkt sie in einen weißen Himmel oder auf eine schwarze Wand. Da kann man dann so schneiden, daß es keiner merkt. Und die Beatles selbst, die eher nur am Rande vorkommen, sind ins Material einkopiert. So geht das. Der freundliche junge Mann ist übrigens Ringo Starr. Wer ihn erkannt hat, kriegt eine Karte fürs nächste Oasis-Konzert.

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