28. Februar 1997 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 28.02.1997

Aus aktuellem Anlaß zeigt das Werkstattkino am Sonntag um 15 Uhr Ruth Beckermanns Dokumentation JENSEITS DES KRIEGES. Fünf Wochen lang hat sie während der Wehrmachtsausstellung in Wien Interviews geführt, in denen zumeist ehemalige Soldaten eigene Erinnerungen hinzufügen. Danach läuft um 18 Uhr LIDICE, ein Video von 1965 über die Vernichtung des gleichnamigehn böhmischen Dorfs durch die Wehrmacht.

Autobus in Golgatha

Zum 75. Geburtstag von Pier Paolo Pasolini zeigt die Lupe sechs seiner besten Filme. Franco Citti, der in vier davon mitgespielt hat, erzählte über seinen Meister: ‚Für mich ist Pier Paolo der größte Dichter, den es innerhalb und außerhalb Italiens gibt: aber ein Dichter in allen Dingen, auch im Film. Er verfügt in allem, was er tut, über Sicherheit und Genauigkeit: Selbst bei den schwierigsten Sachen genügt es, daß er sie einmal tut, auch wenn sie keinem sonst richtig erscheinen, für ihn sind sie es, und wie man an den Resultaten sieht, ist er im Recht. In der Kreuzigungsszene von DAS 1. EVANGELIUM – MATTHÄUS fuhr ein Autobus vorbei und alle sagten: ,Pech, jetzt müssen wir’s wiederholen.‘ Aber er sagte nur: ,Nein, man weiß ja, daß der Film von heute ist, da stört ein Autobus nicht weiter. Die Szene und der Film sind, was sie sind.“

DAS EVANGELIUM läuft am Dienstag um 17.30 Uhr. Außerdem am Montag um 18 Uhr ACCATONE (1961) und um 20.15 Uhr TEOREMA – GEOMETRIE DER LIEBE (1968); am Dienstag um 20.15 Uhr MAMMA ROMA (1962); am Mittwoch um 18 Uhr EDIPO RE – IM BET DER GEWALT und um 20.15 Uhr PORCILE(1969).

Marcello

Mastroianni kann man noch mal unter drei seiner wichtigsten Regisseure erleben: Im Kino Breitwand in Gilching am Dienstag und Mittwoch um 22.15 Uhr in Antonionis LA NOTTE und am Donnerstag um 21.45 in Angelopoulos‘ BIENENZÜCHTER und in der Lupe von Montag bis Mittoch um 22.45 Uhr in Fellinis 8 1/2.
Von Antonioni läuft am Samstag in der Lupe BERUF: REPORTER, in dem außer der Wüste und der Architektur Gaudís München als Schauplatz vorkommt. Da darf man dann Jack Nicholson im Gasthaus ‚Zur Brez’n‘ und auf dem alten Bogenhauser Friedhof bewundern.

Brasilien

Das Maxim-Kino zeigt im Rahmen der Brasilianischen Filmtage am Freitag um 21 Uhr TERRA ESTRANGEIRA von Walter Salles jr. und Daniela Thomas, in dem es um die Auswanderer geht, die in Protugal eine neue Heimat suchen. Um 18.30 Uhr läuft TENDA DOS MILAGROS (1977) von Nelson Pereira dos Santos, eine Verfilmung des Romans von Jorge Amado über den brasilianischen Soziologen Pedro Archanjos, der um die Jahrhundertwende die Zeugnisse afrikanischer Kultur in Südamerika gesammelt hat.

Das Kino Breitwand in Gilching zeigt am Samstag und Sonntag um 16.45 Uhr Henri-Georges Clouzots Dokumentation über PICASSO.

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