25. August 1995 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 25.08.1995

Das Kino bietet allen seinen Toten eine Heimat, und manchmal ergibt das ergreifende Überschneidungen im Programm. Vor kurzem wurde bekannt, daß Matti Pellonpää, das alter ego von Aki Kaurismäki, gestorben ist, und am Dienstag läuft um 18.45 und 23 Uhr im Türkendolch der schönste Film der beiden, DAS LEBEN DER BOHÈME.

Matti Pellonpää

Da kann man Pellonpää dabei zusehen, wie er André Wilms anbietet, seine doppelköpfige Forelle mit ihm zu teilen und wie er ihm in seinem herrlichsten finnischen Französisch erklärt, daß die gleichnamige Sauce aus der Stadt Béarn kommt. Pallonpää war ein Star, wie ihn das Autorenkino zuletzt in Jean-Pierre Léaud besaß. Vor allem aber war er der Traurigste von allen.

Ingrid Bergman

Ingrid Bergman wäre achtzig Jahre alt geworden, was die Lupe mit immerhin sechs Filmen feiert. Jeweils um 18 und 20.15 Uhr laufen am Freitag Roberto Rossellinis REISE NACH ITALIEN, der Jacques Rivette an den Maler Matisse erinnerte und von dem er behauptete, er sei so modern, daß er alle anderen Filme auf einen Schlag um zehn Jahre habe altern lassen; am Samstag Hitchcocks NOTORIOUS, in dem es zu einem für damalige Zeit skandalös langen Kuss mit Cary Grant kommt; am Sonntag CASABLANCA; am Montag Hitchcocks ICH KÄMPFE UM DICH; am Dienstag Rossellinis STROMBOLI, bei dem sie sich mit dem Regisseur liierte; und am Mittwoch Hitchcocks INDISKRET, wieder an der Seite von Cary Grant.

Max Ophüls

Das Filmmuseum zeigt am Samstag zwei Filme von Max Ophüls, dem neben Lubitsch elegantesten aller Regisseure: um 18 Uhr LE PLAISIR nach Maupassant und um 21 Uhr MADAME DE…nach Louise de Vilmorin. Dazu nochmal Jacques Rivette: ‚Diese Faszination für die am wenigsten gefällige, die unerbittlichste Grausamkeit, das Insistieren auf der universellen Person des Verführers, diese Sehnsucht nach einer ursprünglicheren Reinheit, verloren und gerettet zugleich durch die Reue, der sich schließlich ihre Heldinnen, am Ende des Unvermeidlichen angelangt, hingeben.‘

Emmanuelle Béart

Zum Start von EINE FRANZÖSISCHE FRAU, jenem Wesen, das die Liebe mehr liebt als die Männer, zeigt das Filmmuseum eine Reihe von Filmen mit Emmanuelle Béart. Das ist eine charmante Idee, die weiterführt, was mit Keitel, Walken und Russell angefangen wurde: Schauspieler zu ehren, ehe sie hinter ihrer Filmographie zu Marmor erstarrt sind. Die Béart, das sind die bloßliegenden Gefühle; das ist die Leidenschaft, die sich so schlecht zu verbergen weiß; ein Beben, das noch die kleinsten Gesten erfüllt. Am Freitag um 18 Uhr L’AMOUR EN DOUCE von Edouard Molinaro und um 21 Uhr Un AMOUR INTERDIT von Jean-Pierre Dougnac; und am Dienstag um 19 Uhr MANON DES SOURCES von Claude Berri und um 21 Uhr ihr einziger amerikanischer Film, DATE WITH AN ANGEL von Tom McLoughlin.

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