21. August 1992 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 21.08.1992

Das Kino ist zur Zeit naturgemäß der einzige Ort, an dem man es aushalten kann. Aber die Leute laufen lieber herum und stöhnen, daß die Hitze unerträglich sei. Drum ist es in den Kinos schön leer und kühl.

Coole Filme

THE KILLERS heißt ein Film, den Robert Siodmak 1946 in Hollywood nach einer Kurzgeschichte von Ernest Hemingway gedreht hat, und es ist einer der schwärzesten Films Noirs geworden. Zwei Killer kommen in ein Kaff nach New Jersey, um einen Mann umzubringen. Als der Mann davon erfährt, sagt er, er habe keine Lust mehr zu fliehen. Die Geschichte erzählt also davon, wie einer so weit kommen kann, daß er vor dem Tod nicht mehr davonläuft. Burt Lancaster spielt den Helden ohne Zukunft und Ava Gardner die Frau mit Vergangenheit. Peter Hankoff schrieb mal über die Welt dieser Filme: ‚Film Noir, das ist ein Feuerstoß aus einem 45er, und du bist tot, geblendet, brandig oder grad nochmal davongekommen. Das ist eine wütend gepaffte Zigarette, wenn plötzlich der Lauf aus kaltem Stahl deinen Nacken berührt. Oder ein Mundstück, an dem irgendeine Puppe nuckelt, die einen Gin Tonic aus einem verschnörkelten Cocktailglas schlürft.‘ THE KILLERS läuft von Montag bis Mittwoch um 23 Uhr im Theatiner.

Regentanz

Wer eine kalte Dusche braucht, liegt in SINGIN‘ IN THE RAIN von Stanley Donen und Gene Kelly immer richtig. Man darf sich von den Erfahrungen mit Musicals im Fernsehen nicht die Laune verderben lassen. Wie beim Western auch kann man erst auf der großen Leinwand begreifen, warum einer angesichts der Farben oder der Weite der Welt in Gesang ausbricht. Wer das nochmal erfahren möchte, hat in der Lupe von Montag bis Mittwoch um 22.45 Uhr Gelegenheit dazu.

Thrills & Chills

Das Arena zeigt die beiden Verfilmungen von Thomas Harris‘ Romanen als Double Feature am Montag um 20.15 Uhr: DAS SCGWEIGEN DER LÄMMER und vor allem ROTER DRACHE, den Vorgänger, den Michael Mann 1986 inszeniert hat: Dr. Lecter kommt dort auch schon vor, mit weniger Bravour als bei Anthony Hopkins, aber mit mehr Zwanghaftigkeit.

Ebenfalls im Arena läuft eine Werkschau von Lawrence Kasdan: Am Freitag um 18.30 Uhr EINE HEISSKALTE FRAU, am Samstag um 17.30 SILVERADO, am Sonntag um 18.30 Uhr DER GROSSE FRUST, am Dienstag um 18.15 Uhr DIE REISEN DES MR. LEARY und am Mittwoch um 17.45 Uhr GRAND CANYON. Die Neurosen einer Generation bekommen eine bedrückende Präsenz, verdrängte Sehnsüchte und unterbewußte Ängste treiben die Geschichten voran. Paranoia ist das alles bestimmende Gefühl.

Außerdem laufen in der Lupe um 18.15 und 20.30 Uhr Antonionis BLOW UP und Bunuels BELLE DE JOUR. Und in den Museums-Lichtspielen die Langfassung von BETTY BLUE, einem Film, der die Farben des Sommers in denen des Winters ertränkt.

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