17. Juli 1992 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 17.07.1992

Das Filmmuseum hat geschlossen, weil neue Projektoren installiert werden. Aber eine Verschnaufpause wird uns dennoch nicht gegönnt. Auch anderswo gibt es genügend zu sehen.

Leben und Sterben

Das Arena zeigt jeweils um 22.30 Uhr drei Filme, die zusammen mit ihren Stars das Gesicht des Kriminalfilms der letzten Jahre geprägt haben: Am Freitag Ridley Scotts BLACK RAIN mit Michael Douglas, am Samstag und Sonntag William Friedkins TO LIVE AND DIE IN L.A. mit Willem Dafoe und am Dienstag und Mittwoch Dennis Hoppers HOT SPOT mit Don Johnson. Spannung entsteht in ihnen auch durch die Art, wie sich die Versatzstücke zwischen Film Noir und Nouvelle Vague im postmodernen Kino aneinanderreiben: Liebe und Tod, Rituale und Exzesse, ewige Düsternis und unbarmherziges Licht. Yakuza, Geldfälscher und Bankräuber wissen, daß Verbrechen eine Frage des Stils ist.

Lieben und Leben

IDENTIFIKATION EINER FRAU, Michelangelo Antonionis Meisterwerk aus dem Jahr 1982, läuft am Freitag um 17.45 und 20.15 Uhr und am Samstag um 15.15 und 20.15 Uhr. Er handelt von einem Regisseur, der nach einer Frau sucht, deren Gesicht ihm die Geschichte seines nächsten Films erzählt. Im Grunde ist es das, was wir selbst immer im Kino suchen. Cathérine Deneuve in Buñuels BELE DE JOUR, den das Theatiner bis Sonntag in der Spätvorstellung zeigt; Audrey Hepburn in Edwards‘ FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY, der am Montag zusammen mit SWITCH um 20.15 Uhr im Arena als Double Feature läuft: zwei verlorene Seelen, die sich demütigen, um von ihrer Schönheit erlöst zu werden, zwei Phantasien, die in unerreichbare Nähe gerückt sind.

Leben und Spielen

Das Broadway zeigt einige Filme von Barry Levinson: Am Freitag um 17.30 Uhr GOOD MORNING, VIETNAM und um 20 Uhr RAIN MAN; am Samstag zu denselben Zeiten AVALON und AMERICAN DINER, die am Sonntag nochmal in vertauschter Reihenfolge laufen; am Montag DER UNBEUGSAME und BUGSY; am Dienstag beide nochmal in umgekehrter Reihenfolge; und am Mittwoch nochmal um 17.30 Uhr BUGSY;. Es sind Männergeschichten zwischen Freundschaft und Einsamkeit. Was die Helden auf der einen Seite verbindet, das isoliert sie andererseits. All ihre liebenswerten Macken besitzen durchaus auch etwas Krankhaftes: Was die Jungs im DINER als Spiel betreiben, das führt in RAIN MAN zu Autismus und in BUGSYzur Psychopathie. Alle ersehen den Homerun, und deshalb ist Baseball auch ein zentrales Motiv in diesen Filmen. DER UNBEUGSAME im Original THE NATURAL, ist dabei der schönste Baseball-Film aller Zeiten: Mit Robert Redford, Robert Duvall, Barbara Hershey und Kim Basinger und einigen Schlägen, bei denen die Funken stieben.

Das Werkstattkino zeigt ab Samstag jeweils um 21 Uhr Burt Kennedys Western DIE LETZTEN VOM RED RIVER, in dem Robert Mitchum George Kennedy verfolgt, mehr aus alter Gewohnheit, denn aus Rache.

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