16. April 1992 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 16.04.1992

Requien und Royalismus

Ein Traditionalist sei er, sagt Jarman, ein Anhänger von Caravaggio, John Dee und William Blake. Und dennoch ist er auf ganz radikale Weise modern, weil er seine Filme so macht, daß sich die Vergangenheit nur aus der Gegenwart verstehen läßt und umgekehrt. Auf diese Wechselbeziehung wirft er ein scharfes Licht, das die Risse und Brüche sichtbar werden läßt. Am Dienstag um 18 Uhr läuft SEBASTIANE (1976), ein historisches home movie aus einer Männerkommune; um 21 Uhr JUBILEE (1978), ein Film zwischen Punk und Prunk. Mittwoch um 18 Uhr ThE TEMPEST (1979), eine magische Shakespeare-Adaption; um 21 Uhr IMAGINInG OCTOBER (1984) über Rußland und England, Eisenstein und Jarman; dazu IN THE SHADOW OF THE SUN (1981), ein mystischer Stonehenge-Essay; Donnerstag um 18 Uhr THE ANGELIC CONVERSATION (1985) über Sonette und Erotik; und um 21 Uhr CARAVAGGIO (1986), sein bekanntester Film.

In der Lupe läuft zum Vergleich Peter Greenaways erotisches Puzzle DROWNING BY NUMBERS, zu deutsch VERSCHWÖRUNG DER FRAUEN. Am Donnerstag um 22.45 Uhr.

Haikus

Alles nichts oder: Aki Kaurismäki und Jim Jarmush sind zwei Brüder im Geiste, deren Filme so vielsagend wie nichtssagend sind – wie Haikus. Ihre Formstrenge besticht und beklemmt zugleich: Zwei Narren, die das Schicksal Zufall nennen: Das Cinema zeigt zwei Late Night Double Features. Am Freitag um 23 Uhr LENINGRAD COWBOYS GO AMERICA und I HIRED A CONTRACT KILLER, am Sonntag um dieselbe Zeit NIGHT ON EARTH und STRANGER THAN PARADISE.

Im Gasteig läuft eine Hommage an die französische Produktionsfirma Les films du Losange. Jeweils um 20 Uhr werden gezeigt: Dienstag der Omnibusfilm PARIS VU PAR…, Mittwoch LA NAVIRE NIGHT von Marguerite Duras, Donnerstag LES NUITS DE LA PLEINE LUNE von Eric Rohmer.

Agonie und Ekstase

Das Werkstattkino zeigt zwei Underground-Klassiker, die ihren kultischen Hauptdarstellerinnen einen Altar errichten: Curt McDowells THUNDERCRACK (1975) mit Marion Eaton und der Gebrüder Mitchell BEHIND THE GREEN DOOR (1972) mit Marilyn Chambers. Zwei Formen des poetischen Hyperrealismus, in denen Unschuld und Verkommenheit, Verführung und Erlösung aufs anschaulichste zelebriert werden. Sex ist immer auch Horror. Beide Filme laufen bis Montag, der eine um 20.30, der andere um 23 Uhr.

Am Dienstag beginnt um 15 Uhr im BMW-Museum das Kinderfilmfest mit dem Motto: Von Hexen, Geistern und Doppelgängern. Gezeigt wird Wolfgang Petersens UNENDLICHE GESCHICHTE. Am Mittwoch läuft um die selbe Zeit Nicolas Roegs HEXEN HEXEN und am Donnerstag BODO von Gloria Behrens. Kinder zahlen eine Mark, Erwachsene zwei.

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