10. Januar 1997 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 10.01.1997

Öfter mal was neues. Das Werkstattkino bringt einen TRIBUTE TO EMMA PEEL- und wer mit dem Namen etwas anfangen kann, weiß, daß da ein Vergnügen der besonderen Art wartet.

Mr. Steed, we’re needed

Wenn es je einen Grund gab, anzunehmen in England gäbe es noch was anderes als schelchte Küche, guten Fußball und noch bessere Musik, dann wegen dieser Fernsehserie, die im Original etwas schlicht THE AVENGERS hieß und bei uns den blumigeren Titel Mit Schirm, Charme und Melone trug. Patrick Macnee alias John Steed war der lebende Beweis dafür, daß sich hinter der steifen englischen Art echte Coolness verbergen konnte. Und plötzlich war sogar der Five o’clock tea, den er stets gegen den Uhrzeigersinn gerührt zu sich nahm, ein mindestens so männliches Getränk wie Dean Martins Scotch. Vom Trinken verstehen die Engländer eben was – wie auch von schönen Autos. Steed fuhr erst einen 26er Rolls- Royce Silver Ghost, später einen 29er 4,5 Liter-Bentley. Seine Partnerin Emma Peel, stets in ihren Emma-Peelers genannten Kampfanzügen, fuhr einen 66er Lotus Elan, den es zusammewn mit Steeds Bentley bei Corgi Toys als Geschenkset mit Miniaturfiguren gab. Das war damals der Stoff, aus dem die Träume kleiner Jungs waren.

Das Werkstattkino zeigt bis Dienstag um 22.30 Uhr eine Folge der fünften Saison von The Avengers, nämlich RETURN OF THE CYBERNAUTS, in der die beiden von metallgesichtigen Robotern bedroht werden. Dazu läuft am Mittwoch und Donnerstag um dieselbe Zeit ein obskures Programm mit unbekannten deutschen Super-8-Filmen, in denen Diana Rigg mitspielen soll. Die Titel der beiden Folgen lassen hoffen, daß sie ganz im Geiste von Schirm, Charme und Melone stehen: Das Diadem und Die Mini-Killers.

Cool, cool, cool

Überhaupt ist dies eine Woche mit lauter coolen Filmen: In der Lupe läuft Montag bis Mittwoch um 22.45 Uhr Louis Malles FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT, zu dessen Coolness man eigentlich nicht mehr sagen muß, als daß Miles Davis hier die Trompete bläst und den Pariser Boulevards die eigene Melodie vorspielt.

Im Filmmuseum beginnt eine Retro mit Filmen von Karel Reisz, der das britische Free Cinema ins Gespräch brachte mit dem schönen Titel SATURDAY NIGHT AND SATURDAY MORNING, der schon zeigt, daß es im Werk des Briten mehr um Leerstellen und Zwischenräume ging als um die üblichen Dramen. Der Film läuft am Montag um 18 Uhr, danach um 21 Uhr noch ein Film mit Albert Finney und einem coolen Titel: NIGHT MUST FALL.

Auch Antonioni war immer ein Meister der Kühle und der Moden: Die Lupe zeigt am Montag um 18 und 20.15 Uhr ZABRISKIE POINT und das Kino Breitwand in Gilching am Donnerstag um 22.30 Uhr BERUF: REPORTER.

Nochmal Lupe, diesmal zum 20. Todestag von Henri-Georges Clouzot: Am Mittwoch läuft um 17.45 Uhr DIE TEUFLISCHEN und um 20 Uhr LOHN DER ANGST, in dem es vor allem darum geht, wie eine Handvoll Männer mit wechselndem Erfolg versucht, ihre Coolness zu wahren.

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