08. September 1995 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 08.09.1995

Gute Kinos widmen sich immer wieder den Männer und Frauen, die wir lieben. Das Arena befaßt sich dieses Wochenende mit Jeff Bridges, der meistens besser ist als die Filme, in denen er spielt. Am Freitag läuft um 22.45 Uhr Terry Gilliams FISHER KING in der Originalfassung, wo Bridges sogar mit Pferdeschwänzchen seine Würde bewahrt. Und am Samstag und Sonntag wird um 17 und 22.45 Uhr AMERICAN HEART gezeigt, der Bridges pur und sonst nichts ist.

Ich küsse nicht

Das Filmmuseum macht mit Emmanuelle Béart weiter: Am Donnerstag um 18 Uhr läuft Ettore Scolas IL VIAGGIO DI CAPITAN FRACASSA, ein gewitztes Rollenspiel aus dem 17. Jahrhundert, wo neben Béart Massimo Troisi, Vincent Perez und Ornella Muti zu sehen sind. Um 21 Uhr läuft dann André Téchinés J’EMBRASSE PAS, wo Béart mit schwarzer Perücke eine Prostituierte spielt, in die sich ein Junge vom Lande verliebt. So eiskalt wie hier war Paris noch selten zu sehen, und die Liebe ist darin ein grausames Ritual.

Außerdem im Filmmuseum Filme von Kenji Mozoguchi, von dem Karsten Witte geschrieben hat: ‚Er zeichnet den Übergang. Seine Filme markieren, noch wo sie sich ans Herkömmliche klammern, einen sich selbst bewußten Riß der Tradition. Mizoguchi (1898 bis 1956) war ein Mann im Abseits. Früh schon richtete er sein Leben in Kyoto ein, der Stadt der traditionellen Theaterkünste. Er war Maler, bevor er 1920 seine Filmlaufbahn begann. Er hielt sich vom hauptstädtischen Leben der Zerstreuung in Tokio fern. Sein Werk umfaßt 84 Filme. Davon sind nur 28 erhalten, den Rest hat die Filmindustrie gleich nach der Ausschlachtung vernichtet.‘ Die Hälfte zeigt das Filmmuseum. Am Dienstag um 18 Uhr DIE FLAMMEN MEINER LIEBE, um 21 Uhr FRÄULEIN OYU, am Mittwoch um 18 Uhr DAS LEBEN DER FRAU OHARU und um 21 Uhr ERZÄHLUNGEN UNTER DEM REGENMOND von dem Rohmer sagt: ‚Wenn Sie japanische Filme lieben, sehen Sie sich diesen an, es ist der Schönste!‘ Wenn Sie japanische Filme nicht lieben, möchte man sagen, sehen Sie sich diesen erst recht an.

Kind des Olymp

Die Lupe ehrt Jean-Louis Barrault, der 85 Jahre alt geworden wäre. Am Samstag um 18 und 20.15 Uhr DROLE DE DRAME von Marcel Carné; am Sonntag um 15.45 und 19.15 Uhr KINDER DES OLYMP ebenfalls Carné, am Montag 18 und 20.15 Uhr LA RONDE von Max Ophüls, in dem sich alles, was im französischen Kino Rang und Namen hatte, in einem Liebesreigen die Hand reicht; und am Dienstag DAS TESTAMENT DES DR. CORDELIER von Jean Renoir.

Im Filmmuseum laufen am Samstag und am Montag Dokumentarfilme von Jürgen Böttcher, der unter dem Künstlernamen Strawalde auch als Maler bekannt wurde und dessen Arbeiten gerade auch in der Galerie Pfefferle zu sehen sind. Besonders interessant dürfte das Programm am Samstag um 18 Uhr sein, das auf dem Grat zwischen Dokumentarist und Maler entlangwandelt.

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