04. Februar 1994 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 04.02.1994

Es ist wieder alles so schön bunt hier. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hin soll: Filme von Chabrol und Bunuel, von King Vidor und Stephen Frears, Michael Powell und Sydney Pollack. Wenn in dieser Stadt nur die Hälfte des Angebots so angenommen würde, wie es das verdient, dann müßte einem um die Zukunft des Kinos in dieser Stadt nicht bang sein.

Farbe und Fieber

Das Filmmuseum erzählt in seiner Reihe über die Vierziger vom Aufkommen der Farbe, aber statt LEAVE HER TO HEAVEN und SHE WORE A YELLOW RIBBON läuft am Samstag um 21 Uhr und am Montag um 18 Uhr Michael Powells A MATTER OF LIFE AND DEATH, ein Film, in dem sinnigerweise das Geschehen im Himmel schwarzweiß ist, weil es dort kein Technicolor gibt. Dazu gibt es am Sonntag um 18 Uhr THE RED SHOES (1948), der nicht nur davon erzählt, wie sich die Schuhe selbstständig machen, sondern vor allem vom Eigenleben der Farben. Wie ja überhaupt die Farbe im Kino bei ihrer Einführung nicht etwa den Realismus der Filme unterstützte, sondern eher ihre Künstlichkeit. Ihre Bindung zu den Gegenständen war noch lose, ganz den Stimmungen unterworfen. Dazu muß man sich nur mal ansehen, wie sie Freitag um 18 Uhr in Veit Harlans OPFERGANG (1944) im Fieberwahn schillert oder Samstag um dieselbe Zeit in King Vidors DUEL IN THE SUN (1946) vor Haß glüht.

King Vidor 100

Auch die Lupe zeigt von Montag bis Mittwoch um 22.45 Vidors DUELL IN DER SONNE, weil der Regisseur am Dienstag hundert Jahre alt geworden wäre. Dazu läuft von Dienstag bis Donnerstag um 15.45 Uhr KRIEG UND FRIEDEN (1956). Vidor war selten am Fortgang der Handlung interessiert, sondern stets darum bemüht, seine Erzählung in einzelnen Augenblicken zu bündeln, sie zu great moments zusammenfließen zu lassen, wozu sich die Farbe von Natur aus besonders gut eignete. Im Finale von Duel scheint das Orangerot vor Haß geradezu zu verklumpen.

Dazu sollte man sich die Verbindung von Orangen und Gewalt in THE GRIFTERS (1991) von Stephen Frears ansehen, der im Werkstattkino um 23 Uhr läuft. Davor um 21 Uhr THE HIT mit Laura del Sol, Terence Stamp und John Hurt.

Frankreich 1950 ff

Das Institut Français zeigt im Vortragssaal der Bibliothek im Gasteig Filme aus dem Fünfzigern. Am Freitag um 18 Uhr René Clairs LES GRANDES MANOEUVRES (1955) mit Michèle Morgan und Gérard Philipe und um 20 Uhr Marcel Camus‘ ORFEU NEGRO (1958). Am Samstag um 18 Uhr MONTPARNASSE 19 (1957), Jacques Beckers Modigliani-Film mit Gérard Philipe, Lilli Palmer und Anouk Aimée, und um 20 Uhr ET DEU CRÉA LA FEMME (1956) mit Brigitte Bardot, Curd Jürgens und Jean-Louis Trintignant.

Frankreich 1960 ff

Das Theatiner zeigt bis Samstag in der Spätvorstellung Luis Bunuels BELLE DE JOUR (1967) mit Cathérine Deneuve und die Lupe am Sonntag und Montag um 17.15 Uhr Claude Chabrols DIE UNTREUE FRAU (1968) mit Stéphane Audran.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mailadresse wird nicht öffentlich angezeigt. Pflichtfelder sind mit * markiert. Mit Absenden Ihres Kommentars werden Ihre Einträge in unserer Datenbank gespeichert. Weitere Informationen finden Sie in unserer » Datenschutzerklärung


20 − acht =