22. März 1999 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Don’t Like Drugs

Videotext: Don't Like Drugs / Marilyn Manson

Regie: Paul Hunter

Frohe Botschaft für die Jugend: Mag keine Drogen. Aber, sagt Marilyn Manson: Die Drogen mögen mich. Tja, so ist es mit vielen Dingen, die das Leben erschweren. Mag keine Lehrer, aber die Lehrer mögen mich. Mag keine Pickel, aber meine Pickel mögen mich. Mag keinen Liebeskummer, aber der Liebeskummer mag mich. So ist das im Leben. Man mag die tollen Sachen, aber wird einfach nicht zurückgeliebt. Und die anderen Dinge, die man nicht leiden kann, die hat man ständig an der Backe. Und man muß schon ein Freak wie Marilyn sein, um solche Sachen ungestraft aussprechen zu können. Der hat eh nichts mehr zu verlieren, der Mann. Aber für die einfache Botschaft hat er sich einen eher komplizierten Clip zusammengezimmert. Zieht mit einem aus Fernsehern gezimmerten Kreuz wie einst Nam June Paik durch die Lande, und man wird den Verdacht nicht los, daß all das irgendwie fernsehkritisch gemeint ist. Er wird von vier kopflosen Bullen verfolgt, bekommt in der Klinik den linken Arm abgenommen, tritt in einer Talkshow auf und stürzt sich am Ende zu Tode. So ist das: Wir amüsieren uns zu Tode. Dabei mögen wir das gar nicht.

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