03. November 1997 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Candle In The Wind

Kultur: Candle In The Wind das Video von Elton John

Während böse Menschen schon die ersten Witze machen über den Aufschlag mit 180 und den letzten Indiana, brennt die Kerze heller denn je vor sich hin. Und alles für den guten Zweck: Mit dem Geld kann man jedenfalls eine Menge Landminen ausschaufeln. Höchste Zeit also, den größten Knaller ein für allemal zu entschärfen. Zweieinhalb Milliarden Leute auf aller Welt sollen die Trauerfeier am Fernseher verfolgt haben. Respekt! Bei 5,8 Milliarden Menschen auf der Welt wäre das fast jeder zweite gewesen. Umso erstaunlicher, daß die Einschaltquote bei uns nur 20 Prozent war. Und in Amerika auch nicht höher. In England waren es dafür ein paar mehr, anderswo nach Lage der Dinge ein paar weniger. Zwanzig Prozent von 5,8 Milliarden sind aber nur knapp über eine Milliarde Leute. Und was ist mit Angola, Albanien, Afghanistan? Dort haben wahrscheinlich nicht mal zwei Prozent der Leute überhaupt einen Fernseher. Und was ist mit China, Indien, Rußland? Es glaubt doch keiner im Ernst, daß dort auch nur ein Bruchteil der Leute sich für Diana interessiert hat. Wenn man genau zusammenzählen würde, waren es nicht mal 500 Millionen. Aber das traut sich keiner zu sagen, weil man sich sonst so allein auf der Welt fühlen würde. Wer also nochmal behauptet, es hätten zweieinhalb Milliarden zugesehen, der muß zur Strafe Landminen entschärfen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mailadresse wird nicht öffentlich angezeigt. Pflichtfelder sind mit * markiert. Mit Absenden Ihres Kommentars werden Ihre Einträge in unserer Datenbank gespeichert. Weitere Informationen finden Sie in unserer » Datenschutzerklärung


zwölf − 9 =