18. Dezember 1998 | Süddeutsche Zeitung | Porträt | Stefan Drößler

Nichts zu befürchten

Das Warten hat ein Ende und das Filmmuseum einen neuen Chef. Unter den Kandidaten, die sich um den Posten beworben haben, ist Stefan Drößler sicher derjenige, der am besten dem sogenannten Anforderungsprofil entspricht. Er ist Jahrgang 1961 und also jung genug, um Kontinuität zu gewährleisten; er besitzt einen jungenhaften Charme, mit dem sich Leute und gegebenenfalls auch Stimmen gewinnen lassen; er hat im Unterschied zu den anderen Kandidaten Erfahrung mit der Restaurierung von Stummfilmen; und er hatte das Votum der Mitarbeiter, was zwar nicht notwendigerweise immer auf den besten Chef fällt, aber doch auf gewisse menschliche Qualitäten schließen läßt.

Das sind schon einige gute Voraussetzungen für diesen Job, in dem stets die Quadratur des Kreises versucht werden muß. Man muß es möglichst allen recht machen und doch eine eigene Linie haben. Letzteres ist eine Tugend, mit der vor allem Vorvorgänger Enno Patalas dem Filmmuseum zu nationalem Ruhm und internationalem Ansehen verholfen hat. Ersteres scheint – wenn man nach der Vorstellung vor zwei Wochen geht – eine Qualität zu sein, die Drößler auszeichnet. In einer Kulturchronik von Inter Nationes heißt es über ihn: „Seine Spezialität ist, daß er keine Spezialgebiete hat. ” Was das für seine Arbeit in München bedeutet, muß man abwarten.

Sicher ist, daß Drößler ein effektiver Mann ist, der in Bonn aus seinen bescheidenen Möglichkeiten das Beste gemacht hat. Sein Programm in der sogenannten „Brotfabrik” gilt als ungewöhnlich vielseitig und anspruchsvoll, und seine Erfahrung als Veranstalter von Festivals wird ihm im Umgang mit bürokratischen Zwängen sicher nicht schaden – davon gibt es bei seinem neuen Posten mehr als genug.

Nachdem Kulturreferent Nida-Rümelin unlängst keinen Zweifel daran gelassen hat, daß der neue Mann auf eine Erhöhung des bescheidenen Etats nicht zu hoffen braucht, muß er ohnehin neue Wege gehen. Muß Sponsoren gewinnen. Muß Bayern ins Filmmuseum einbinden. Muß diesem neue Zuschauerschichten zuführen. Ein Weg dazu wäre, das Filmmuseum von seinem – völlig ungerechtfertigten – musealen Ruf zu befreien, indem durch bauliche oder werbliche Maßnahmen die Außenwirkung verbessert wird.

Eigentlich ist die Aufgabe ganz einfach: Stefan Drößler muß den Münchnern zeigen, daß sie hier ein Kino haben, in dem die schönsten Filme der Welt laufen. Und daß das nichts ist, wovor sie sich fürchten müßten. Im Gegenteil.

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