24. September 1996 | Süddeutsche Zeitung | Nachruf | Dorothy Lamour

Gauguin Girl

Dorothy Lamour gestorben

Namen wie diesen muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zumal er aus einer Ära stammt, als solche Namen noch hielten, was sie versprachen. Wo Lamour draufstand, war auch Liebe drin. Zur Welt kam sie 1914 noch als Mary Leta Dorothy Slaton, ihr Stiefvater hieß dann Lambour, ihr erster Mann Kaumeyer. Mit solchen Namen brachte man es selbst als Miss New Orleans damals in Hollywood natürlich zu nichts. Weswegen sie fortan Lamour hieß und Filme drehte, die sich ihren Reim auf diesen Namen machten. Es begann mit The Jungle Princess, und diesen Gefilden blieb sie auch treu. Schon die Titel klingen wie Zeilen aus Liedern, die eine sanfte Brise durchs Land der Sehnsucht trägt: The Hurricane, Tropic Holiday, Johnny Apollo, Typhoon, Moon Over Burma, Aloma of the South Seas, Beyond the Blue Horizon, And the Angels Sing, Rainbow Island, Wild Harvest, Lulu Belle und natürlich Donovan’s Reef. Als im Pazifik der Krieg tobte, erträumte sich Hollywood sein eigenes Südseeparadies, in dem die Southern Belle Dorothy Lamour die Königin war. Zwischen den Phantasien der GIs und ihr stand dabei nichts als ein luftiger Sarong, und dieses Image machte sie zur perfekten Spielgefährtin von Bing Crosby und Bob Hope in den Road to-Filmen. Danach wandte sich Hollywood anderen Spielen zu, und Dorothy Lamour zog sich im Laufe der sechziger Jahre zurück. Am Samstag ist sie im Alter von 81 Jahren in Los Angeles gestorben. Was sie gewesen ist, hat am schönsten der Filmkritiker David Thomson formuliert: ‚Sie war ein Gauguin- Girl, das gelernt hat, wie man Lippenstift aufträgt.‘
MICHAEL ALTHEN

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