25. März 1994 | Süddeutsche Zeitung | Interview | Jan-Christopher Horak

Ich glaube, ich kann das ganz gut

Jan-Christopher Horak wird neuer Leiter des Filmmuseums

Gestern wurde ein neuer Leiter für das Münchner Filmmuseum bestimmt, der im November mit der Arbeit anfangen soll. Die Wahl fiel auf Jan-Christopher Horak, der seit 1984 am Goerge Eastman- House in Rochester ist. Daß Horak insgesamt über 25 Jahre in den USA gelebt hat, hört man an seinem amerikanischen Akzent. Er ist 1951 in Bad Münstereifel geboren, ging als Kleinkind nach Amerika, kam mit 13 zurück, machte in Münster die Schule fertig, studierte dann in Boston, promovierte in Münster und ging dann wieder nach Amerika. Mit Horak sprach Michael Althen.

SZ: Gratulation zu Ihrem neuen Job.
Horak: Danke. Ich muß dazusagen, daß ich von offizieller Seite noch kein Wort gehört habe. Nur ein Gratulationsfax von Herrn Patalas und die Pressemeldung, und die ist ganz falsch. Erstens habe ich 1984 und nicht 1975 in Münster promoviert, und zweitens bin ich seit 1984 am Eastman House und seit ’87 Leiter der Abteilung. Hier sieht es so aus, als sei ich erst seit 1990 im Haus.
SZ: Was ist Ihr Lieblingsfilm?
Horak: Das ist natürlich eine ganz schwierige Frage: L’AVVENTURA von Antonioni, PIERROT LE FOU von Godard und M von Fritz Lang.
SZ: Kein amerikanischer Film?
Horak: Doch, natürlich auch. Zum Beispiel: THE WILD BUNCH von Sam Peckinpah.
SZ: Werden Ihre Filmreihen in München auch diesen Vorlieben folgen?
Horak: Zur Zeit laufen bei uns eine Chris Marker-Retro, eine Reihe über den ethnographischen Film, eine Hommage an Fellini, und dazu fortlaufend amerikanische Stummfilme. Ich mache also alles mögliche, bunt gemischt.
SZ: Haben Sie dort mehr Geld als in München?
Horak: Ich habe noch keine Vorstellung, wieviel Geld für das Programm zur Verfügung steht, aber hier muß ich mit 30 000 Mark im Jahr auskommen.
SZ: Glauben Sie, daß Sie die Managerqualitäten mitbringen, die sich die Stadt für den neuen Leiter gewünscht hat?
Horak: Ja, das glaube ich ganz sicher, weil ich hier, wo wir schon lange nicht mehr von der Staatskasse leben, doch sehr viel Zeit darauf verwendet habe, um Gelder aus privaten Quellen heranzuschaffen. Ich glaube, ich kann das ganz gut. Als ich vorher nur Akademiker war, wußte ich das noch nicht so genau. Aber in den letzten zehn Jahren habe ich mich wirklich in diese Arbeit hineingekniet.
SZ: Warum haben Sie sich beworben?
Horak: Erstens interessiert mich das. Dann finde ich München eine tolle Stadt, und ich wollte auch gerne wieder nach Europa. Meine Familie lebt hier.
SZ: Was wissen Sie übers Filmmuseum?
Horak: Ich bin das erste Mal schon vor zwanzig Jahren im Filmmuseum gewesen und habe auch schon mal eine Ausstellung im Hause gemacht, als ich noch in Münster war. Außerdem habe ich über die Jahre immer wieder Herrn Patalas getroffen. Ich bin also schon informiert.
SZ: Aber Sie waren nicht der Kandidat, für den er im Kulturausschuß Politik gemacht hat. Stört Sie das?
Horak: Darüber würde ich mich lieber nicht äußern.
SZ: Ist das für Sie also auch kein Problem, wenn Sie sich jetzt mit ihm ein halbes Jahr einarbeiten müssen?
Horak: Das kann ich noch nicht sagen. Da ich von offizieller Seite noch nichts gehört habe, gehört das noch zu den Verhandlungen, wann ich in München antrete.
SZ: Also wird das nicht im Mai sein.
Horak: Das war nur eine Option. Da ich eine ganz ähnliche Position hier schon ausfülle, ist meine Einarbeitungszeit wahrscheinlich kürzer als bei anderen. Außerdem muß ich hier noch kündigen, und das geht ja auch nicht so schnell.
SZ: Aber das Eastman House weiß von seinem Pech?
Horak: Nein, die wissen es noch nicht.

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