09. Dezember 1996 | Focus Magazin | Interview | Dennis Hopper

„Zu rein für diese Welt“

Dennis Hopper, der alte Wilde des Off-Hollywood-Kinos, über den Film „Basquiat“, Kunst und Kreativität

FOCUS: Warum haben Sie nur so eine kleine Rolle als Kunstsammler?
Hopper: Das sagte ich Julian auch, das ist doch gar keine richtige Rolle. Er entgegnete ganz ehrlich: „Es würde mir bei der Finanzierung helfen, wenn du dabei bist.“ Da dachte ich mir, o.k., die Sache ist vielleicht wichtig, weil es noch nie einen Film über einen US-Künstler gegeben hat – und schon gar nicht von einem Künstler. Ich wünsche mir, daß Farmer mitten in Amerika, Leute in Kansas City, BASQUIAT sehen, daß die Kids dort das ansehen und sagen: „Wow, was für eine seltsame Welt.“ Und vielleicht bringt das einen von ihnen auf den Geschmack.
FOCUS: Haben Sie „Wow“ gesagt?
Hopper: Der Film ist ein wunderbares Gedicht, das einen bewegt. Als Dokument jener Jahre ist er wirklich superb. All die Figuren sind aus dem Leben gegriffen. Ich habe Warhol ja gekannt, habe sein erstes „Campbell Soup“-Gemälde gekauft, noch vor seiner ersten Schau 1963. So genau hat noch keiner die 80er und diese Haltung gezeichnet.
FOCUS: Hatten Sie mal eine GUERNICA-Offenbarung wie BASQUIAT?
Hopper: Ich glaube, ich habe mal Jesu Gesicht in der Sonne gesehen, aber dann bin ich erblindet.
FOCUS: Können Sie verstehen, warum Künstler sich selber zerstören?
Hopper: Nehmen Sie Nicolas de Staël. Er wußte nicht mehr, wie es weitergehen sollte, nachdem seine US-Ausstellung sofort ausverkauft war. Er hatte Angst, das lähme seine Kreativität. Seine Kunst war zu rein für diese Welt.
FOCUS: Und dann ist er von seinem Balkon in Antibes gesprungen…
Hopper: Exzellent. Diese Leute wußten, wie man lebt. Es war wahrscheinlich zu warm für ihn da unten.
FOCUS: Und heutzutage?
Hopper:…kann ich mir keinen Künstler vorstellen, der nicht sieht, daß Kino die große Kunstform des Jahrhunderts ist. Wenn man einen Film inszeniert, muß man sich mit Musik, Schauspiel, Architektur und allem anderen auskennen. Man braucht visuelle Kraft. Diese Art von Cross-overs belebt die Kunst.
FOCUS: Wer war der größte Künstler, dem Sie je begegnet sind?
Hopper: James Dean.
FOCUS: Warum?
Hopper: Vielleicht lag es an dem Alter, in dem ich war, als ich ihn kannte. Aber er besaß mehr Talent als irgend jemand anderer. Wenn er etwa einen Zauberer sah, der einen Kartentrick beherrschte, dann ging Jimmy fünf Minuten mit ihm in eine Ecke, kam wieder zurück und konnte den Trick.

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