05. Dezember 1998 | Süddeutsche Zeitung | Bericht | Münchner Filmmuseum Leitung

Das Schaulaufen

Kandidaten-Hearing zur Zukunft des Münchner Filmmuseums

„Hearing zu den Perspektiven eines kommunalen Filmmuseums” nannte sich die Veranstaltung etwas wolkig – in Wirklichkeit handelte es sich um ein Schaulaufen der Kandidaten, die sich für die zukünftige Leitung des Münchner Filmmuseums beworben haben: Stefan Drössler, Michael Farin, Robert Fischer-Ettel, Karola Gramann, Norbert Grob und Rainer Rother. Fünf Männer, eine Frau – die zweite war krank geworden, die dritte ist abgesprungen, weil sie anderswo eine Stelle bekommen hat.

Sechs Leute also stellten sich im Kinosaal des Filmmuseums dem interessierten Publikum vor, wobei die Situation, daß alle um den gleichen Posten buhlten, natürlich nicht gerade für eine ungezwungene Atmosphäre sorgte. Schließlich folgte dieser Präsentation die eigentliche Anhörung hinter verschlossenen Türen. Kulturreferent Julian Nida-Rümelin hatte den Leiter der Berliner Stiftung Deutsche Kinemathek, Hans Helmut Prinzler, hinzugebeten, um das Hearing mit ihm zusammen zu moderieren – und der nutzte auch die Gelegenheit, nochmal auf das Mißverhältnis zwischen der Bedeutung dieses Postens und der im Vergleich mit Filmmuseen in Frankfurt, Düsseldorf und Potsdam „etwas mageren Eingruppierung” hinzuweisen. Darum forderte er den zukünftigen Leiter auch gleich auf, mit Verhandlungen über den Etat gleich „sehr aktiv zu beginnen”. Nida-Rümelin stellte am Ende jedoch gleich klar, daß zusätzliche Gelder vor allem anderswo aquiriert werden müßten. Da hat aber schon Vorgänger Horak erkennen müssen, daß sich amerikanische Gepflogenheiten kulturellen Sponsorings nicht so einfach auf die Münchner Verhältnisse übertragen lassen.

Ins allgemeine Erstaunen, wieviel in München mit so wenig Etat erreicht worden ist, mischte sich die Erkenntnis, daß alle Fragen nach Ausbau, Ausstellungstätigkeit oder Umgang mit Sponsoren zwangsläufig nur rhetorischer Natur sein können. Ohnehin unterschieden sich die Kandidaten in ihren Antworten nicht sonderlich. Zu befürchten ist nur, daß der Posten des Stellvertreters oder die Filmstelle im Kulturreferat stillschweigend gestrichen werden, wenn die Wahl auf den jetzigen Mann, Robert Fischer-Ettel, fallen sollte.

So oder so bleibt es dabei: 800 Veranstaltungen pro Jahr müssen bestritten werden mit dem Geld, das da ist. Alles andere sind fromme Wünsche. Die entschlossenste Haltung schien der Filmhistoriker Norbert Grob mitzubringen, der eine Ahnung davon vermittelte, daß es ihm um Filme und deren Vermittlung gehe. Ein Filmmuseum müsse veranschaulichen, „daß das Momentane und Aktuelle nicht immer das Gegenwärtige ist. ” Der Job müsse gemacht werden „mit kühlem Kopf – aber manchmal dürfen einem ruhig die Augen übergehen. ” Von dieser Lust an der Sache selbst war bei den anderen Bewerbern nicht genug zu spüren.

Nida-Rümelin schien jedenfalls entschlossen, die Sache noch am selben Abend zum Abschluß zu bringen – bis er darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Statuten vorschreiben, daß erst entschieden werden darf, wenn auch die letzte Bewerberin gehört worden ist. Die Zukunft des Filmmuseums kann also erst beginnen, wenn Frau Ledig wieder gesundet ist.

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