27. Mai 1999 | Süddeutsche Zeitung | Fernsehen, Rezension | Die Profis

Ohne Schirm und Charme

Samstag: Die nächste Generation der "Profis" tritt an

Als DIE PROFIS in den späten Siebzigern im Fernsehen liefen, hatte man eigentlich andere Probleme, als zwei Typen mit haarsträubenden Frisuren beim Lösen sinnloser Fälle zuzusehen. Aber irgendwie hat man es dann trotzdem getan, weil damals das Privatfernsehen noch nicht erfunden war und auf den paar verfügbaren Kanälen sonst nichts los war.

Die Serie, von der 57 Folgen gedreht worden waren, war durch und durch britisch, aber nicht im Sinne von Schirm, Charme und Melone, sondern eher deshalb, weil zwei bemerkenswert schlecht gelaunte und gekleidete Burschen in einem silbernen Ford Capri S herumfuhren, der damals als Auto galt, das ähnlich wenig Ausstrahlung besaß wie seine beiden Fahrer. Fairerweise muß man dazusagen, daß aus heutiger Sicht sowohl der Capri wie die Profis selbst an Charme gewaltig gewonnen haben. Was auch daran liegen mag, daß seit MIAMI VICE sämtliche Serien (und Autos) unterschiedslos einem modischen Oberflächenglanz verfallen sind, der zu einer eigenartigen Gesichtslosigkeit führt.

Aber um bei der Sache zu bleiben: Von allen Serien der siebziger Jahre ist DIE PROFIS so ziemlich die letzte, von der man sich eine „nächste Generation” gewünscht hätte. Weil aber auch das Fernsehen mittlerweile darauf gekommen ist, daß es tausend Mal leichter ist, alte Konzepte zu verwursten als neue Ideen zu haben, gibt es nun also Die neue Generation, deren Schauspieler im selben Gen-Pool geklont worden sind. Waren schon Martin Shaw und Lewis Collins nicht das, was man Charakterköpfe nennt, so stammt die neue, um eine Frau erweiterte Combo offenbar aus der Ken-und-Barbie-Schauspielschule. Macht nichts, könnte man sagen, schließlich heißt die Losung beim CI-5: „Keine Emotion bei der Arbeit. ” Und außerdem geht es in Fernsehserien nicht um die mimische Bewältigung großer menschlicher Dramen, aber irgendwie möchte man schon Leute sehen, die man erkennt, wenn man ihnen auf der Straße begegnet. Diese Gefahr läuft man hier nicht. Weil auch sonst keine Gefahr der Ablenkung durch übertriebenen Dialogwitz besteht, kann man sich ganz auf die Action konzentrieren, die mit dem in solchen Serien üblichen ungelenken Ernst inszeniert wird.

So muß man ganz dem neuen CI-5-Leiter vertrauen, der versichert: „Glauben Sie mir, diese Welt ist gefährlich! Nichts, was in New York oder Nagasaki, in Peking oder St. Petersburg geschieht, bleibt ohne Auswirkungen. ” Gut, daß wir verglichen haben.

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