Quizfrage

Samstag
Hallo, Messieursdames! Ist das nicht formidable von dem Putin? Wirklich ein empfindsamer und tapferer Mann. Dass ich auf meine alten Tage von ihm eingeladen werde, ist einfach groß. Ich schließe daraus, dass er ein Herz für Tiere hat – was man von den meisten seiner Landsleute wohl nicht sagen kann. In Tschetschenien nehmen sie mit ihren Vakuum-Bomben überhaupt keine Rücksicht auf die Tiere. Und was sie, auch in Moskau, mit den Tanzbären und den Kampfhunden machen, ist ein starkes Stück.

Sonntag
Ja, ein starkes Stück war auch, dass Perry Rhodan sich bei Ihnen gemeldet hat. Der ist nur knapp zwei Jahre jünger als ich. Leider hatte ich nie das Vergnügen, mit ihm . . . Na ja, Sie wissen schon.

Montag
Hallo? Darf ich noch einmal auf Wladimir Putin zurück kommen? Also, ich glaube, er ist gut für die russische Seele, obgleich er nicht genug Wodka trinkt. Wer gut zu den Tieren ist, ist auch gut zu den Menschen, wenigstens zu den eigenen Leuten. Nicht zufällig ist Wladimir zur Zeit der beliebteste Politiker in seinem Land. Und wenn er sich an die Tiere hält, kann er auch nicht enttäuscht werden. Sogar bei den Kampfhunden weiß man immer, woran man ist. Also kann man nicht enttäuscht werden. Leider können die Tiere noch nicht wählen, obgleich das irgendwie, rein tierisch, schon möglich zu machen wäre.

Dienstag
Hallo? Vielleicht kennen mich nicht mehr viele in Ihrem Land. Ich habe ja 1973 das Metier gewechselt. Darum gehe ich auch nicht nach Berlin, um den Bären abzuholen. Aber ich freue mich natürlich, wenn ich trotzdem dort zu sehen bin. Nicht so sehr meinetwegen als wegen Jeanne, mit der zusammen ich gespielt habe. Mon Dieu, hat das Spaß gemacht mit den Campaneros. Richtig scharf war das. Schon sehr komisch, dass sie in Berlin jetzt Schwierigkeiten haben, eine scharfe Kopie zu finden. Aber ich freue mich für Jeanne, dass sie den Ehrenbären abholen kann. Ist ja wirklich in guter Gesellschaft: George Clooney, Mel Gibson, Tom Cruise, Andrej Wajda und der süße Leonardo.

Mittwoch
Hallo? Ja, das muss ich noch erklären, wie das bei mir kam mit meiner Liebe zu den Bären und den anderen Tieren. Ich habe – das gebe ich zu, obgleich ich nichts bereue – ich habe die Männer geliebt. Jean-Louis, Gilbert, Sacha, Jacques, Gunter und Bernard und all die anderen. Aber irgendwie konnten sie alle meine Erwartungen doch nicht erfüllen. Irgendwie haben alle mich enttäuscht. Bernard vielleicht am wenigsten. So blieben mir am Ende nur die Tiere. Und die haben mich eben nie enttäuscht.

Donnerstag
Hallo? Ja, natürlich denke ich oft an meine Glanzzeiten zurück, als ich populärer war als Marilyn Monroe. Aber dann kamen die Depressionen, und ich wollte aufhören. Als meine Eltern starben und einige ganz enge Freunde, da wollte ich auch tot sein. Ich hab’s versucht. Aber dann waren eben wieder die Tiere da. Ohne sie wäre ich nie aus meiner Krise heraus gekommen. Deshalb ist aus mir auch nie eine richtige Diva geworden. Meine Hände kamen öfter mit einem Scheuerlappen in Berührung als mit Maniküre.

Freitag
Hallo? Hören Sie noch? Falls es Sie in Deutschland interessiert, möchte ich eins noch sagen. Ich fange jetzt, mit 65, ein neues Leben an. Dem Figaro habe ich’s schon gesagt. Mein Charme und meine Schamlosigkeit, die mich damals zum Symbol der sexuell befreiten Frau und zur Verkörperung der Wollust gemacht haben – das alles kehrt jetzt als pure Lebensfreude zurück. Deshalb habe ich einem Ihrer Kollegen (leider war es nicht Ihr Michael Althen) auf seine Frage „Welches war der schönste Tag Ihres Lebens?” einfach geantwortet: „Eine Nacht. ” Au revoir also. Bonne nuit.

(Der Anrufer der nächsten Woche weiß, wer ich bin.)

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22. Januar 2000 von marieundtom
Kategorien: Glosse | Schreibe einen Kommentar

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