22. April 1995 | Süddeutsche Zeitung | Literatur, Rezension | Architekturphantasien

Jenseits von Xanadu

Der Bau von Luftschlössern, hat Dalí gesagt, kostet nichts. Tatsächlich läßt sich in keiner der Künste so schön und anschaulich von alledem träumen, was es nicht gibt, wie in der Architektur. Weil aber die Normen hier stärker als anderswo durch Funktionalität bestimmt sind, gilt vieles schon als phantastisch, obwohl es durchaus realisiert worden ist – bestes Beispiel: Neuschwanstein.

Christian W. Thomsen läßt die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit durchlässig und spannt so einen weiten Bogen von Babylon bis in den Cyberspace. Wobei gerade der Ausblick in die Zukunft über das Buch hinausweist, denn die Expansion der virtuellen Realität wird in naher Zukunft das Betreten der Luftschlösser buchstäblich ermöglichen. Da wird man dann durch die Carceri von Piranesi wandeln, auf Böcklins Toteninsel spazierengehen können oder sich in den unmöglichen Bildwelten des M. C. Escher verlieren. Bis also dieser Bildband auf CD-ROM vorliegt, muß man sich mit der reichhaltigen Bebilderung begnügen, die von den Weltwundern bis nach Xanadu führt.

CHRISTIAN W. THOMSEN: Architekturphantasien – Von Babylon bis zur virtuellen Architektur. Prestel Verlag, München 1994. 194 Seiten, 98 Mark.

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