19. Juli 1993 | Süddeutsche Zeitung | Fernsehen, Rezension | Zwischen Bett und Thron – die Frauen von Windsor

Den Titel muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zwischen Bett und Thron – Die Frauen von Windsor. Da steckt schon alles drin, was das Herz begehrt: Leidenschaft und Karriere, Ehrgeiz und Verzicht, goldene Löffel und rosa Unterwäsche, kurz: pomp und jede Menge circumstances. Früher hat man in Filmen mit solchen Titeln mindestens die Französische Revolution oder den Wiener Kongreß aufgearbeitet, indem man Geschichte als Geschlechterkampf und Könige in Unterhosen zeigte. Heute macht man das nicht mehr so, weil man ohnehin schon alles kennt. Die englische Schweinepresse hat unter jedem Bett des Buckingham- Palastes Photographen liegen und in jedem Schrank von Windsor einen Reporter sitzen. Charles und Camilla, Fergie und der Texaner: Alles schon bekannt, alles schon tausendmal gesehen. Die nicht mehr ganz so lustigen Weiber von Windsor nun also im Zweiteiler: Der erste Teil fragt Wie angle ich mir einen Millionär?, der zweite schildert Szenen zweier Ehen. Besetzt wurde vor allem nach Ähnlichkeit, nicht nach Ausdruck. Das heißt, daß alle aussehen wie Karikaturen ihrer selbst. Besonders Lady Dianas schauspielerische Fähigkeiten beschränken sich darauf, jeweils jene Kleider zu tragen, die man aus der Zeitung kennt. Verglichen mit ihr entwickelt Fergie eine unvermutete Lebendigkeit, mal als Rotkäppchen, mal als Aschenputtel. Aber alles in allem liegt doch eine große Fassungslosigkeit auf allen Gesichtern.

Die Story ist ja weitgehend bekannt. Erzählt wird sie etwa so: Di lernt Charles kennen. Ihre Freundin Fergie fragt: ‚Ist das nicht alles furchtbar aufregend?‘ Musik. Hochzeit (mit den echten Fernsehbildern). Fergie wird selbst zum Dinner gebeten. Sie fragt ihre Freundin: ‚Was soll ich nur anziehen?‘ Musik. Dinner (ohne echte Bilder). Sie wird von Andrew aufs schottische Schloß gebeten. Sie fragt: ‚Was soll ich nur einpacken?‘ Die Freundin sagt: ‚Den roten Kaschmirpullover.‘ Mehr Musik. Mehr echte Bilder. Von da an ist Schluß mit lustig. Man sieht: Bei Königs ist es auch nicht anders als bei uns. Nie weiß man, was man anziehen soll. Mit dem Unterschied, daß Fergie deswegen von der Medienmeute ausgelacht wird. Weswegen sie zu viel Geld für Kleider ausgibt: Appanage überzogen, Andrew verärgert, Ehe ruiniert. So geht das. Der Schluß bleibt deutlich hinter der Realität zurück: Fergie scheidet aus, Di bleibt. Die eine folgt dem Herzen, die andere der Pflicht. Denkste! Die Royals brauchen keine Seifenopern – sie sind schon eine. We’re not amused.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mailadresse wird nicht öffentlich angezeigt. Pflichtfelder sind mit * markiert. Mit Absenden Ihres Kommentars werden Ihre Einträge in unserer Datenbank gespeichert. Weitere Informationen finden Sie in unserer » Datenschutzerklärung


18 − 6 =