25. September 1992 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Filmtips 25.09.1992

Michelangelo Antonioni wird am Dienstag 80 Jahre alt. Die Lupe zeigt aus diesem Anlaß zehn seiner Filme im Vorabendprogramm jeweils 18 Uhr (wochenends auch 15.30 Uhr). Am Freitag und Samstag LIEBE 62 (L’ECLISSE), am Sonntag und Montag ZABRISKIE POINT, am Dienstag L’AVVENTURA am Mittwoch CHINA und am Donnerstag BLOW UP. Dem Menschen geht es in diesen Filmen wie einem Betrachter, der zu nah an einem pointillistischen Gemälde steht: Die Welt zerfließt zu einzelnen Sinneseindrücken, der Überblick ist verloren. Die Welt ist voller Geheimnisse: Darin liegt ein Fluch und all ihre Schönheit. Es gibt keine genaueren Filme über das Leben der Moderne als die von Antonioni – und keine abenteuerlicheren.

Bonjour Tristesse

Das Theatiner zeigt Otto Premingers BONJOUR TRISTESSE von Montag bis Mittwoch in der Spätvorstellung. Es ist die Geschichte einer unmöglichen Liebe, in einer Welt, in der die Gefühle längst übergekocht sind und eine Leere hinterlassen haben. Eine große Sehnsucht schafft das, die kein Maß mehr kennt. David Niven und Deborah Kerr spielen mit und vor allem die zauberhafte Jean Seberg, die man auch am Donnerstag am selben Ort zur selben Zeit als schönste Zeitungsverkäuferin der Welt in AUSSER ATEM bewundern kann.

Am Dienstag um 20 Uhr im Broadway und am Mittwoch um 18.30 Uhr im Arena laufen Peter Bogdanovichs LAST PICTURE SHOW und TEXASVILLE als Double Feature. Zwanzig Jahre liegen zwischen den Filmen und fast eine ganze Karriere. Und besonders bei TEXASVILLE wird deutlich, wieviel die Filme den Vorlagen von Larry McMurtry verdanken. Die wunderbarsten Wandlungen sind inzwischen vor sich gegangen: Die Männer sind so selbstbezogen wie eh und je, aber die Frauen geben nun den Ton an. Annie Potts und Cybil Shepherd sind das stärkste Frauen-Duo im amerikanischen Kino der letzten Jahre neben THELMA UND LOUISE.

Außerdem zeigt das Arena einige Filme von einem anderen führenden Vertreter des Kinos der Siebziger, Martin Scorsese, der auch heute noch ganz oben ist. Jeweils um 22.15 Uhr laufen am Freitag TAXI DRIVER, am Samstag KAP DER ANGST am Sonntag WIE EIN WILDER STIER, und am Montag und Dienstag DIE ZEIT NACH MITTERNACHT

Entmystifizierung

Im Filmmuseum läuft am Samstag um 23 Uhr Romuald Karmakars kühner Erstling EINE FREUNDSCHAFT IN DEUTSCHLAND. Hitlers Münchner Jahre als Laienspiel, ein Spaß wie Chaplins GROSSE DIKTATOR und also die totale Entmystifizierung: die Tragödie eines lächerlichen Mannes.

Als Reihe zum Skandal zeigt das Broadway ein paar Filme von Woody Allen, jeweils 18 Uhr: Am Freitag DER STADTNEUROTIKER am Samstag MANHATTAN, am Sonntag STARDUST MEMORIES, am Montag ZELIG und am Dienstag SCHATTEN UND NEBEL.

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