24. Dezember 1992 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 24.12.1992

Zwischen den Jahren hat man sonst nichts zu tun, also zieht man Bilanz. Die Kinos werden zwar nicht mehr, aber immerhin manchmal ein bißchen größer und etwas schöner: Das Atelier ist nagelneu und das Rick’s, außderdem gibt es das IMAX im Deutschen Museum. Dafür steht das Family Theatre in der Ami- Siedlung leer, und im AKI am Hauptbahnhof spielen sie jetzt nicht mehr Softsex zum Ablachen mit Kulturfilmen im Vorprogramm, sondern härtere Pornos, für die man Pralinen an der Kasse kaufen muß. Der Rest ist wie gehabt – was heißt, daß das Filmmuseum immer noch keinen zweiten Saal hat. Die Stadt jammert zwar dauernd über ihren schwindenden Weltruf, aber unternommen wird auch nichts. Das muß anders werden. Danke, setzen!

Der schwärzeste Tag

‚Daß ich mich noch behaupte‘, schreibt Achternbusch in seinem neuen Buch, ‚hat mit dem deutschen Film nichts mehr zu tun, aber mit dem Münchner Filmmuseum, worin mich die Filmgeschichte nährt.‘ Kann man es noch deutlicher sagen? ‚Der schwärzeste Tag des Jahres‘, hat wiederum Rainald Goetz geschrieben, ‚ist der Heilige Abend. Noch schwärzer ist die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Dagegen hilft nur ArbeitenArbeitenArbeiten oder was noch Schwärzeres, wie die Produkte des Herrn Achternbusch.‘ Im Filmmuseum ist heute Vorpremiere von Herrn Achternbuschs neuestem Produkt ICH BIN DA, ICH BIN DA, der bis zum Sonntag jeweils um 18 und 21 Uhr gezeigt wird.

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Das Werkstattkino zeigt Drogenfilme, so übersteht man die postnatale Depression besser. Um 20.30 Uhr läuft MORE von Barbet Schroeder, sein Debüt aus dem Jahr 1969, eine Reise von Tanger über Paris nach Ibiza, mit Bildern von Nestor Almendros und Musik von Pink Floyd. Mimsy Farmer und Klaus Grünberg spielen das Hippie-Pärchen im Rausch. Danach um 23 Uhr ist Jerry Schatzbergs THE PANIC IN NEEDLE PARK (1971) zu sehen, in dem Al Pacino ins Bodenlose stürzt.

Haben und Nichthaben

Die Lupe führt in der Spätvorstellung um 22.45 Uhr vier Filme zum 15. Todestag von Howard Hawks auf: Freitag und Samstag LEOPARDEN KÜSST MAN NICHT(1938), Sonntag und Montag BLONDINEN BEVORZUGT (1953), am Dienstag TO HAVE AND HAVE NOT (1945) und am Mittwoch HiIS GIRL FRIDAY (1940) – Cary Grant und Humphrey Bogart, Mariln Monroe und Lauren Bacall, was will man mehr.

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