24. Juni 1994 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 24.06.1994

Harte Zeiten für Münchner Kinos: Als ob ihnen Weltmeisterschaft, Wimbledon und das Wetter nicht schon genug zusetzen würden, läuft jetzt auch noch das Filmfest.

Das Filmmuseum zum Beispiel tut so, als gäb’s kein Filmfest, und spielt munter weiter die besten Filme, die es kriegen kann. Von Freitag bis Montag gibt es eine kleine Retrospektive von Filmen mit Louise Brooks, der schätzungsweise tollsten Frau, die das Kino je erfunden hat. Von 1925 bis 38 hat sie in Hollywood und Berlin Karriere gemacht, dann hatte sie genug von dem Gewerbe. Sie war die Lulu, an der sich die Männer nicht nur die Finger verbrennen, und schon auf den Photos hat ihre Schönheit so etwas Zeitloses, Modernes, daß man leicht glauben kann, sie sei ein Geschöpf der Gegenwart. Glühende Augen, grandiose Stirn, scharfe Linien. Am Freitag läuft um 18 Uhr Frank Tuttles LOVE ‚EM OR LEAVE ‚EM und um 21 Uhr William A. Wellmans IT’S THER OLD ARMY GAME. Am Samstag erst Wellmans BEGGARS OF LIFE, dann Hawks‘ A GIRL IN EVERY PORT; am Sonntag erst Malcolm St. Clairs THE CANARY MURDER CASE dann mit Aljoscha Zimmermann am Flügel G. W. Pabsts DIE BÜCHSE DER PANDORA; und Am Montag erst Pabsts TAGEBUCH EINER VERLORENEN und dann Augusto Geninas PRIX DE BEAUTÉ.

Lotte Eisner schrieb über sie: ‚Louise Brooks macht keine Filme mehr. Sie widmet sich der Malerei, und zwar malt sie in einem sehr direkten Stil, der ein wenig der alten chinesischen Malerei gleicht. Als ich 1960 in ein neues Haus umzog, schickte sie mir eines ihrer Bilder: es zeigt einen Baum, in klaren, starken Linien, in weißen, schwarzen und grauen Tönen, und mit einer roten Signatur, die nach dem Vorbild chinesischer Schriftzeichen gestaltet war. Und sie schrieb, daß dieses Geschenk von einer alten Chinesin komme, von ‚Lou Brou‘.‘

Allzu große Nähe

Ebenfalls im Filmmuseum laufen am Dienstag und Mittwoch vier Filme von John Ford, die zu den schönsten der Welt zählen. Am Dienstag zwei Filme mit John Wayne und Maureen O’Hara, um 18 Uhr THE QUIET MAN und um 21 Uhr RIO GRANDE über den Hartmut Bitomsky schrieb, er handle ‚vom rechten Abstand zwischen den Mitgliedern einer Familie. Um ihn zu ermitteln, gibt es Bilder von Verlassenheit, von unpassierbaren Grenzen und von allzugroßer Ferne, und es gibt Bilder von Verstecken und allzugroßer Nähe.‘ Am Mittwoch um 21 Uhr SHE WORE A YELLOW RIBBON mit Wayne und Joanne Dru, um 18 Uhr WAGONMASTER, mit Dru, Ben Johnson und Harry Carey jr., über den Eckart Schmidt einst schrieb: ‚Hier meint man tatsächlich die Felsen und den Himmel, den Sand und die Flüsse sprechen und denken zu sehen.‘

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